Age of Empires Online unter der Lupe


aoeo_slider.jpg

9. Januar 2013 von moby3012


Die Weiterentwicklung von „Age of Empires: Online“ wurde nach nur rund einem Jahr bereits eingestellt. Wir betrachten das grundlegende Spielprinzip ebenso wie das Bezahlmodell und ziehen erste vorsichtige Rückschlüsse auf die Bedeutung für C&C.

Was ist „Age of Empires Online“?

„Age of Empires Online“ ist der 2011 erschienene Free2Play Ableger der erfolgreichen Strategiespielserie „Age of Empires“, welche neben den Titeln aus dem Hause Blizzard und der Command and Conquer Serie als eine der altehrwürdigen Strategiefranchises gilt. Entsprechend groß war der Unmut, als sechs Jahre nach dem eher durchschnittlichen letzten Teil der Serie dann „Age of Empires Online“ und nicht, wie von vielen erhofft, „Age of Empires 4“ angekündigt wurde.

Entwickelt von Robot Entertainment mit Microsoft als Publisher im Rücken trat „Age of Empires: Online“ als bislang erstes und einziges Free2Play RTS konkurrenzlos an. Zu Anfangs noch als „Pay2Win“ kritisiert, wurde der Entwickler Robot Entertainment vom Publisher Microsoft abgesetzt und das Spiel in die Hände von Gas Powered Games gegeben, welche auch relativ bald eine Vielzahl von Veränderungen am Bezahlmodel vornahmen. Vor wenigen Tagen wurde aber nun bekannt, dass die Weiterentwicklerung von „Age of Empires: Online“ eingestellt wurde und es keinen neuen Content für das Spiel geben wird. Da dieser Titel in der jüngsten Vergangenheit ebenso als Vorbild, wie auch stärkster (F2P) Konkurrent für Command and Conquer gehandelt wurde, erscheint es genau an der richtigen Zeit sich den Titel in unserer Free2Play Kolumne einmal etwas näher anzusehen.

Wie sieht das Free2Play Modell in „Age of Empires Online“ aus?

Die „Age of Empires“ Serie war stets für ihre vielen wählbaren Völker bekannt und auch in „Age of Empires Online“ ist es nicht anders. Aber bereits hier setzt das, für einen Free2Play Titel unverzichtbare, Bezahlmodel ein. Nicht alle Völker sind für den Free2Play Nutzer spielbar, lediglich eine handverlesene Auswahl. Viele der anderen Völker sind sogenannte „Premium Zivilisationen“ und kosten umgerechnet rund 10 Euro. Diese sind dann im PvE wie PvP Modus nutzbar und bieten noch ein paar weitere Vorteile. Aber auch die frei zugänglichen Zivilisationen sind stellenweise eingeschränkt und können über ein im Shop erwerbliches Upgrade auf den Stand einer Premium Zivilisation gehievt werden.

Beide Spielmodi (PvE und PvP) existieren in „Age of Empires Online“ prinzipiell voneinander getrennt, greifen jedoch stellenweise ineinander über. Die zentrale Anlaufstelle und das erste, was der Spieler nach dem Einloggen sieht, ist die eigene Hauptstadt. Diese levelt der Spieler nach und nach über PvE Quests auf und errichtet darin zusätzliche Gebäude. Die Hauptstadt ist nicht angreifbar und dient gegenüber anderen Spielern als eine Form von Avatar – dem Besitzer dient sie als Interface und Quest-Hub. In den dort verfügbaren PvE Missionen erledigt man allein oder kooperativ genre-typische Missionen und erhält für diese Belohnungen. Dies geschieht oftmals in der Form von Ressourcen, welche benutzt werden können um permanente Ausrüstung für die eigenen Einheiten zu erstellen. Diese Belohnungen geben Einheiten dann Boni wie mehr Rüstung oder mehr Schaden. Einer der Kritikpunkte hierbei ist, dass die beste Ausrüstung „Premium Zivilisationen“ vorenthalten ist. Die stärksten Ausrüstungsgegenstände und Berater sind für Free2Play User nicht zugänglich.

Dies schafft vor allem im PvP Probleme, welches ganz genre-typisch in einer Form von „Ranked“ und „Lobby“ Matches abläuft. Auch wenn die Unterschiede durch Items oftmals „nur“ im 10%-Bereich liegen, sind diese für das Balancing ein Störfaktor – natürlich gerade dann, wenn es um kompetetives PvP geht. Gas Powered Games hat hier reagiert und den sogenannten „Champion Modus“ geschaffen, bei dem jedem Spieler alle Technologie-Stufen zur Verfügung stehen und Ausrüstungen der Einheiten keine Wirkung haben. Um allerdings Spiele in diesem Modus beitreten zu können ist es Vorraussetzung, dass die eigene Zivilsation im Ingame Shop auf den Premium Status erhoben wurde. Free2Play User haben das Problem, dass sie Champion Modus Spielen zwar beitreten, jedoch keine eigenen Spiele hosten können. Will man sich also mit einem anderen Free2Play User kompetetiv messen, so schaut man entweder in die Röhre, muss einen Premium Spieler finden der das Spiel hostet, oder muss mühseelig die Ausrüstung von allen Einheiten entfernen, was oftmal bedeutet, dass die Ausrüstung zerstört wird.

Ferner gibt es natürlich noch die für Free2Play Titel üblichen optischen Verschönerungen. Hauptsächlich kann man hierbei die Ausrüstung der eigenen Einheiten verändern. Dies geht von glaubhaften optischen Gimmicks wie Verzierungen auf den Schilden über zwar fragwürdige, aber noch „passende“ Ninja-Outfits bis hin zu scherzhaften Inhalten wie Plastik-Flamingos anstatt Keulen und Schwertern. Weitere Verschönerungen, die man nur über den ingame Shop bekommt, stellen zusätzliche Zierobjekte für die eigene Hauptstadt dar, was aber auch keine spielerische Auswirkung hat sondern rein der Optik der eigenen Stadt dient.

Die vom Spieler ausbaubare Hauptstadt der Kelten

Wie viele Free2Play Spiele nutzt „Age of Empires Online“ keine direkte Währung sondern sogenannte „Empire Points“. 900 Dieser Punkte (~10 Euro) kostet eine Premium Zivilisation, 100 bekommt man zum Spielstart geschenkt. Einige weitere Punkte bekommt man während des Levelns im PvE dazu. Wirklich dauerhaft dazuverdienen lassen sich diese Punkte jedoch nur im „Bündniskrieg“, welcher erst Spielern der Stufe 40 offen steht. Neben den Zivilisationen (900 Punkte) liegen die zuvor erwähnten optischen Verschönerungen bei circa 40 Punkten für einen anderen Waffenskin oder bis zu 750 Punkte für ein Gebäude. Des Weiteren gibt es noch Boosterpacks mit zusätzlichen Missionen oder einen „Empire Vault“, ein zwischen den eigenen Zivilisationen geteiltes Inventar ab 150 Empire Points.

Auf die häufige Frage ob „Age of Empires Online“ nun „Pay2Win“ ist, lässt sich nur schwerlich eine Antwort geben. Aufgrund der Premium Zivilisation und dem Champion Modus steht das Spiel etwas zwischen den Stühlen. Für den Free2Play User, der mehr oder weniger auf den normalen PvP Modus beschränkt ist, gilt schon ein gewisser Grad an „Pay2Win“, da er die stärksten Gegenstände nicht nutzen kann, sein Gegner eventuell aber schon. Andererseits steht einem für eine Investition von zehn Euro bereits ein ausgeglichener Spielmodus zur Verfügung, bei dem man die Frage nach „Pay2Win“ definitiv verneinen muss.

Wie „teuer“ ist „Age of Empires Online“?

Geht man vom wahrscheinlich am häufigsten gewählten Artikel, den Premium Zivilisationen aus, dann bekommt man für einen Euro rund 100 Empire Points. Die optischen Verschönerungen der Einheiten liegen damit für gewöhnlich irgendwo bei 30 Cent bis einem Euro, was an und für sich nicht viel Geld ist. Wenn man jedoch bedenkt, dass ein Gegenstand nur auf eine einzelne Einheit und nicht die ganze Armee wirkt, ist man auch hiermit, insofern die eigene Armee einen einheitlichen Look haben soll, schnell eine beachtliche Summe los.

Gegen die zehn Euro für eine Premiumzivilisation und ihre Vorteile kann man allerdings wenig sagen. Hier bekommt der Spieler sicherlich am meisten für sein Geld, gerade weil diese direkte Unterschiede bis Vorteile im Spiel geben und nicht rein optischer Natur sind.

Alles in allem kann man „Age of Empires Online“ wohl zugutehalten, dass es keineswegs teuer ist. Zehn Euro sind durchaus ein vertretbarer Einstiegspreis und wenn man auf optischen Krimskrams verzichten kann, kommt man damit durchaus günstig weg. Das Spiel verlangt oder erfordert zumindest ab dem Kauf der Premiumzivilisation keinen weiteren Kauf, außer den Erwerb weiterer Zivilisationen oder optischer Gegenstände. Natürlich gibt es auch noch ab der Premium Zivilisation Gegenstände, die einem das Spiel erleichtern. Allerdings sind diese nicht zwingend notwendig und auch nicht übertrieben teuer. Im Gegensatz zu vielen anderen Free2Play Titeln ist es in „Age of Empires Online“ nicht ganz so einfach Unsummen zu verpulvern. Was aber natürlich nicht heißt, dass man es nicht könnte wenn man möchte.

Die Ägypter - Eine der spielbaren Völker in Age of Empires: Online

Was kann sich Command and Conquer davon abschauen?

„Age of Empires Online“ war und ist bisher der einzige große Free2Play Ableger im Strategiesektor. Umso ernüchternder die Neuigkeit, dass „Age of Empires Online“ nach nur rund einem Jahr nicht mehr weiterentwickelt wird. Und das obwohl man dem Spiel rein objektiv wenig vorwerfen kann, insofern man sich mit dem eher langsameren Spielsystem  anfreunden kann. Dies dürfte aber inbesondere Freunden von schnellen RTS-Spielen wie StarCraft oder Command and Conquer schwerfallen. Kritikpunkte, welche wir hier nicht weiter beachtet haben – so zum Beispiel die relativ dumme KI und eintönige PvE Missionen – sind dann doch eher Feinheiten und Abzüge in der B-Note.

Woran der dauerhafte Erfolg von „Age of Empires Online“ letztendlich gescheitert ist, ist schwer zu sagen. Ein Problem des Spiels dürfte gewesen sein, dass es zu Release ein wesentlich unfreundlicheres Preismodel hatte und, nicht völlig zu unrecht, als „Pay2Win“ verschrien war. Diese Punkte haben sich zwar mittlerweile gebessert, aber wenn ein Spiel einmal einen schlechten Ruf hat (selbst wenn zu Unrecht), dann ist es schwer dagegen anzukämpfen. Die Beurteilung durch die Fachpresse und ganz besonders der Spieler zum Release ist wohl von ganz entscheidender Bedeutung.

Des Weiteren ist es fragwürdig, ob die Abgrenzung des „Champion PvP“ Modus für Bezahlkunden eine gute Idee gewesen ist. Das auch Free2Play Spieler dem Champion Modus zumindest über Umwege beitreten können, ist an und für sich löblich. Jedoch stellt auch dies wieder eine zusätzliche Hürde da und der Spieler wird auch vom Spiel nicht explizit darauf hingewiesen, dass dies überhaupt möglich ist. Die Kosten von zehn Euro erscheinen zwar nicht viel, aber die großen Free2Play Titel wie „League of Legends“ zeigen deutlich, dass man den Free2Play User nicht vom kompetetiven Mehrspieler ausschließen muss, und vielleicht auch garnicht sollte. Dies erleichtert den steten Zufluss neuer Spieler und verhindert das Entstehen einer Form von, zumindest gefühlter, Zweiklassengesellschaft.

Letztendlich scheint es „Age of Empires Online“ nicht gelungen zu sein, ausreichend viele neue, und vor allem zahlende, Spieler gewinnen zu können. Dies zeigt zum einen deutlich, dass auch im Free2Play Markt ein großer Name noch keinen (langfristig) erfolgreichen Titel ausmacht. Zum anderen zeigt dies, dass auch Spiele, denen man objektiv nur relativ wenige große Mängel ankreiden kann, nicht automatisch zum großen Wurf werden. Auch wenn so mancher Publisher das vielleicht gerne hätte.

Möchte man den Bogen zu Command and Conquer weiter spannen, dann ist auch zu bedenken, dass „Age of Empires Online“ noch einige Vorteile mitbringt, die insbesondere den Verkauf von optischen Items erleichtern. Features wie eine ausbaubare Hauptstadt erscheinen in einem Command and Conquer ebenso unwahrscheinlich wie eine zu große Verlagerung des Ingameshops auf unterschiedliche Skins für Einheiten. Auch die Form und der Umfang des PvE Modus in Command and Conquer ist bisher noch ungewiss. Reine Skirmish Spieler dürften jedoch als potentielle Kunden eher nicht in Betracht kommen. Und als ambitionierter PvP Titel wird es sich Command and Conquer ohnehin nicht leisten können eine Form von Zweiklassengesellschaft zu erschaffen, so wie „Age of Empires Online“ es zumindest zum Release getan hat.

Es bleibt also abzuwarten, wie die Entwickler gedenken, Command and Conquer zu finanzieren. Nur von einem großen Namen und bekanntem Gameplay kann auch ein Free2Play Titel nicht überleben.


Kategorie(n): Kolumne | Tag(s): Balancing