Indizierungsverfahren

Indizierungsverfahren

C&C Generals Übersicht


Als Generals im Februar 2003 erschien begannen die USA längst ihre militärische Intervention in Afghanistan und erklärten der Achse des Bösen den Krieg – im Zuge dessen wurde später auch Saddam Husseins Regime im Irak angegriffen. EA hat es nun also gewagt ein Spiel, welches politisch aktueller denn je ist auf den Markt zu bringen, denn in Generals geht es genau darum, die Bekämpfung des internationalen Terrorismus in Form der GBA.

Bereits eine Woche nach Release entschloss sich die nicht unumstrittene Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Medien (folgend als BPJM bezeichnet), das neuste Spiel der Command & Conquer Reihe im so genannten Blitzverfahren zu indizieren. Man fürchtete, das Spiel könne sich durch die Bekanntheit der Serie und die außerordentliche Medienpräsenz zu schnell verbreiten – und bedachte dabei auch, dass durch eine bereits beschlossene Reform des Jugendschutzgesetzes zum 01.04.2003 ein ab 16 Jahren durch die USK eingestuftes Spiel nicht mehr nachträglich hätte indiziert werden dürfen.

Auch einen Monat später wurde im regulären indizierungsverfahren jene Entscheidung noch einmal bestätigt. Zu den Gründen wurde außer den Standardworthülsen kaum etwas Nennenswertes veröffentlicht – es ist jedoch davon auszugehen, dass gerade der Irakkrieg, welcher zu jener Zeit von der US Regierung vorbereitet wurde maßgeblich für diese Entscheidung war. Unklar ist inwieweit die Politik Einfluss auf die Bundesprüfstelle ausgeübt hatte – denn Deutschland stellte den wohl bekanntesten Kritiker und Gegner des Irakkriegs dar – war die Indizierung womöglich – auch – ein politischer Akt der Distanzierung? Übrigens gibt es außer Generals auch bisher kein einziges Echtzeitstrategiespiel, welches in Deutschland indiziert wurde.

Kritikpunkte an C&C Generals

Trotzdem gab es in der öffentlichen Diskussion einige nennenswerte Kritikpunkte, die als mögliche Gründe des Indizierungsverfahrens herbeigezogen worden sein könnten. So zeige Generals, deutlich auf, dass es zur Lösung eines Problems nur die Tötung und den Krieg als mögliche Lösungswege gäbe. Weiterhin sei die zu realistische Darstellung existierender Waffen und Technologien, als Kriegsverherrlichend und Gewaltverharmlosend einzustufen. Anthraxgase und Biowaffen in den Händen terroristischer Vereinigungen seien eine reale Bedrohung die durch das Spiel verharmlost werde. Explizit genannt wurde aber auch die zweite Mission der GLA als Grund – dort musste man UN Konvois mit Hilfsgütern überfallen und diese Hilfsgüter bergen – versagte man und die Hilfsgüter kamen im Dorf an – so wurde die Zerstörung des Dorfes und der Raub der Hilfsgüter als neues Ziel benannt – hier sah man eine große Gefahr für Jugendliche unter 18 Jahren. Nur ist dann die Frage, wie die USK zu einer „ab 16“ Einstufung gekommen sei?

Reaktionen auf das Verfahren

Während es durchaus eine große Menge an Leuten und Spielern gab, die diese Maßnahme als gerechtfertigt ansahen – gab es gleichermaßen eine große Maße an Leuten, die die Vorgehensweise in diesem umstrittenen verfahren durchaus gern auf dem Prüfstand gesehen hätten. Denn Es ist eben schon fraglich, wieso – wenn dieses Spiel denn in so vielen Punkten kritisch betrachtet wird – je eine ab 16 Einstufung der USK zustande gekommen sein kann – oder ob nicht doch Druck auf die entsprechenden verantwortlichen Behörden ausgeübt worden sei?

Originally Posted by Dr. Jens Uwe Intat, Geschäftsführer EA Mitteleuropa

Wir sind äußerst verwundert und auch betroffen über diesen beispiellosen Vorgang, da die Verlautbarungen des Familienministeriums in Person von Ministerin Schmidt zum Teil falsch und unsachlich sind. Es ist nicht akzeptabel, dass die Vielzahl von Spielerinnen und Spielern durch unüberlegte Pauschalurteile von Personen, die keinerlei Verständnis für neuere Medien haben, in Verruf gebracht werden.

 

C&C Generäle

Einige Zeit später entschloss man sich bei EA durch die Zensur des Spiels einen neuen Anlauf zu wagen und veröffentliche C&C Generals erneut, zensiert unter dem Namen C&C Generäle. Es wurden hierbei viele kleinere optische Änderungen vorgenommen, so wurden aus den ursprünglichen Fraktionen plötzlich die Westliche Allianz, die Internationale Befreiungsgruppe und der Asiatische Pakt. Die „UN-Konvoi“ Mission wurde geschnitten, die Einheiten wurden alle in Roboter verwandelt – und deren Stimme digital zu denen von Robotern nachbearbeitet. Reale Schauplätze wie Washington, Al Hanad, Bagdad oder Baikonur wurden verfremdet in Hauptquartier, Sandstorm City, Twin Sword City oder Space Port. Anthrax wurde zu Giftsäure und Selbstmordterroristen wurden zu TNT-Fässern auf Motorrädern… Übrigens gab es wenig später einen inoffiziellen UNCUT Patch, welcher all diese Änderungen wieder rückgängig gemacht hat.

Originally Posted by PCACTION, 26.09.2003

Dass solche Änderungen überhaupt für den deutschen Markt nötig sind, halte ich für höchst lächerlich. Egal, die neue deutsche Fassung macht ebensoviel Spaß. Zugpferd bleibt die fantastische und nahezu unveränderte Grafik, sowie der identische Mehrspielermodus. Schade nur, dass viele Strategen solange auf C&C Generäle warten mussten, denn die neue Version erscheint gerade noch rechtzeitig vor dem Add-on Die Stunde Null. Immerhin ist jetzt auch der Kaufpreis deutlich niedriger.

Die Stunde Null sofort zensiert…

Natürlich wollte man bei EA mit dem Addon, welches noch im Herbst des Jahres erscheinen sollte kein weiteres Risiko eingehen – so erschien dieses sofort in der C&C Generäle – Zensur –Version, was auch den Release eines „richtigen“ UNCUT Patches – verhinderte, da nur die verfremdeten und nicht die Originalstimmen veröffentlicht wurden. Das Spiel verkaufte sich trotzdem international, wie in Deutschland ganz gut. Verfechter der „guten alten“ Version konnten also nur auf einen UNCUT-Patch zurückgreifen, der die Stimmen mit englischen Originalstimmen ersetzt hat oder mussten direkt zur englischen Variante ZERO:HOUR greifen.