Kolumne

E-Sport & Recht

E-Sport & Recht


United-Forum Nutzer auf einer LAN-Party

7. August 2012 von moby3012


In unserer neuen Reihe E-Sport & Recht beleuchten wir juristische Hintergründe des E-Sports sowie die Fallstricke, die es zu umschiffen gilt.

Schon sehr frühe Videospiele wie beispielsweise der Arcade-Klassiker Pong, boten die Möglichkeit, nicht nur gegen eine Maschine, sondern auch andere menschliche Spieler anzutreten. In Spielehallen ausgehangene Ranglisten dürften dabei den ersten Schritt hin zur Pro- und Kommerzialisierung des als E-Sport bezeichneten Wettkampfes unter mehreren Videospielern dargestellt haben.

Nicht näher fundierten Schätzungen zufolge sind heutzutage alleine in Deutschland bis zu fünf Millionen Menschen E-Sportler. Weltweit wurden durch den E-Sport mehrere hunderttausend Arbeitsplätze geschaffen. Vor allem in Hochburgen wie Südkorea und bei internationalen Events wie den World Cyber Games hat dabei auch das öffentliche Interesse ein beachtliches Ausmaß angenommen. So füllen teilweise zehntausende Zuschauer Stadien und Sporthallen, um die besten Spieler beobachten zu können. Die Popularitäts- und Bekanntheitswerte einzelner dieser Spieler brauchen sich dabei nicht hinter internationalen Fußballstars oder Gesangsikonen zu verstecken.

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Wann – und ob überhaupt – ein solches Niveau auch in Deutschland oder sonstigen Teilen der westlichen Welt erreicht werden wird, ist völlig offen. Denn gerade die Finanz- und Wirtschaftskrise hat das zum Anfang des Jahrhunderts noch äußerst starke Wachstum der Szene etwas gebremst. Auch in Deutschland ist jedoch vielen Spielern und Clans der Sprung weg von der Keller-Lan hin zu Messe- und TV-Veranstaltungen längst gelungen.

Für alle am E-Sport beteiligten Personen stellen sich mit der zunehmenden Kommerzialisierung und den immer professionelleren Strukturen verstärkt auch rechtliche Fragen.

So schließen sich Spieler fortgeschrittenen Niveaus ihren Clans häufig nicht nur aus rein altruistischen Teamgedanken an, sondern vor allem, um von diesen Kostenerstattungen, Spielausrüstungen und zum Teil auch feste monatliche Vergütungen zu erhalten. Je nach Bekanntheitsgrad treten die Spieler ferner als Werbeträger auf, wirken an Produktentwicklungen mit oder werden in Auswahl- bzw. Nationalmannschaften berufen.

Clans haben dabei meist ein Interesse daran, bestimmte Öffentlichkeitswirkungen ihrer Spieler sicherzustellen. So zum Beispiel über die Ausgabe von spezieller Spielerbekleidung verbunden mit einer Tragepflicht; oder aber durch Beiträge ihrer Schützlinge in TV-Veranstaltungen sowie Print- und Online-Medien. Ferner besteht ein Interesse daran, vor allem die erfolgreiche Spieler möglichst langfristig an den eigenen Clan zu binden und ihren Abgang – bzw. bei Gruppenspielen auch den ganzer homogener Teamgebilde – zu verhindern. Weniger erfolgreiche Spieler sollen hingegen möglichst kurzfristig abgestoßen werden können, ohne dass langfristige Zahlungsverpflichtungen verbleiben.

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Für beide Seiten stellen sich außerdem vielfältige Fragen aus dem Bereich von Steuern und Abgaben. So kann je nach konkreter Situation der Spieler dem Gewerberecht unterfallen, so dass er Verdienste und möglicherweise auch Gewinne selbst zu versteuern haben kann. Andererseits kann zwischen Spieler und Clan auch ein Arbeitsverhältnis zustande kommen, welches nicht nur der Lohnsteuer, sondern auch der Abgabenpflicht in den gesetzlichen Sozialversicherungssystem unterliegt. Ein solches Arbeitsverhältnis führt dabei zu vielfältigen Fragen und möglicherweise unangenehmen Überraschungen – so zum Beispiel in den Bereichen von Kündigungsschutz-, Arbeitszeit- und Jugendarbeitsschutzgesetzes.

 

Verträge werden oft geschlossen, ohne über die potenziellen Konfliktfelder nachzudenken. Man hofft, es werde schon alles gut gehen. Wenn es dann doch zum Streit kommt, ist die Verwunderung häufig groß.

 

In Hinblick auf Gewinne und Preisgelder stellt sich teilweise auch die Frage, wie mit diesen umzugehen ist. Darf der Spieler, der seine Teilnahmen an Veranstaltungen alleine durch den Clan finanziert erhält, Preise und Gewinne für sich behalten? Geht alles nach dem Motto wer die Kapelle bezahlt, … an die Clanleitung? Oder sollen die Gewinne – ähnlich wie beispielsweise im Profiradsport üblich – in einen gemeinsamen Topf fließen, der dann am Ende des Jahres anhand einer speziellen Verteilungsquote auf alle Teammitglieder aufgeteilt wird?

Daneben kommt es immer wieder vor, dass sich gerade junge und unerfahrene Spieler in unseriöse Clangebilde locken lassen, bei denen zwar hohe Kostenerstattungen und Vergütungen in Aussicht gestellt werden, tatsächliche Zahlungen dann jedoch entweder ausbleiben oder im Nachhinein an weitere Bedingungen geknüpft werden. Der vermeintlich reiche Clanmanager vermeldet dann, er habe nunmehr den Gang in die Insolvenz angetreten oder aber er werde die Zahlung nur dann tätigen, wenn der Vertrag des aufstrebenden Spielers im Gegenzug um ein weiteres Jahr verlängert wird. Doch auch in seriös geführten Clans kommt es immer einmal wieder zu rechtlichen Konflikten.

Schließlich ergeben sich auch außerhalb vom Verhältnis Spieler-Clan etliche Bindungen, Konflikte und Fallstricke. So beispielsweise im Verhältnis zu Event-Veranstaltern, Presse, Sponsoren und Behörden.

 

Es gibt viele Unsicherheiten und Fallstricke, die es für E-Sportler zu vermeiden gilt. Erst wenn gute und faire Regelungen gefunden sind, können sich alle Beteiligten ohne Sorge auf die sportlichen Ziele konzentrieren.

 

Viele der vorgenannten Fragen und Problemfelder werden heute vertraglich geregelt. Die Qualität dieser Regelungen variiert dabei stark. Bei näherer Betrachtung dürften sich nach meinen bisherigen Erfahrungen wohl in einem großen Teil heutiger E-Sport-Verträge unwirksame Regelungen finden lassen, die im Konfliktfall für mindestens eine der beiden Seiten zum Problem werden kann. Dies einerseits deshalb, weil die Beteiligten in den zu regelnden Rechtsfragen häufig unerfahren sind. Andererseits aber auch deshalb, weil selbst erfahrene und zum Teil juristisch beratene Spieler und Clans vor eine Vielzahl von Problemen gestellt werden, die in der juristischen Literatur und Rechtsprechung noch immer eine absolute Randerscheinung darstellen. Die Gestaltung von Verträgen und die Beurteilung von rechtlichen Rahmenbedingungen bedarf daher im E-Sport ganz besonderer Aufmerksamkeit.


In den kommenden Monaten wollen für euch einige der oben angesprochenen Fragen näher beleuchten und Tipps für den E-Sport-Alltag geben. Gerne könnt ihr dabei in den Kommentaren die euch interessierenden Fragen hervorheben oder auf weitere Felder hinweisen, zu denen ihr mehr erfahren möchtet.

Freuen würden wir uns außerdem, wenn ihr uns – sei es als Spieler, Clanverantwortlicher oder Unternehmensvertreter – von euch verwendete Verträge, ggf. geschwärzt und anonymisiert, unter redaktion[at]cnc-inside.de zur Verfügung stellen würdet, damit wir diese bei der Erarbeitung kommender Beiträge berücksichtigen können. Selbstverständlich werden wir sowohl die Verträge als auch ihre Herkunft absolut vertraulich behandeln.


Kategorie(n): Kolumne | Tag(s): eSports
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