Test des Tiberium Wars Handyspiels

Test des Tiberium Wars Handyspiels

C&C Tiberium Wars Übersicht


Eines vorweg: Meine Erfahrungen auf dem Sektor Handyspiele sind gleich null. Für mich sind Handys schon immer reine Gebrauchsgegenstände zum Telefonieren gewesen, daher fehlt mir der Vergleich mit anderen für das Handy verfügbaren Spielen. Für diejenigen unter euch, die zufriedene Kunden von Jamba! oder Ringtoneking sind, dürfte dieser Bericht vielleicht etwas zu sehr für Anfänger bestimmt sein, ich zähle mich nun mal zu denen, die bei den entsprechenden Werbespots jedes Mal durchdrehen könnten.

Bestellung & Installation

Um das Spiel zu erhalten, müsst ihr eine SMS mit EA W8 an 72990 (Kosten einer üblichen SMS) senden, ihr erhaltet dann einen Link zum EA Mobile Portal. Dort könnt ihr das Spiel für 4,99 € zuzüglich WAP und Transportgebühren herunterladen. Der Download geht relativ flott, da das Spiel trotz seines Umfangs nur 288 KB groß ist (zum Vergleich: So eine vorgespeicherte Demo eines „Dr. Kawashimas Gehirnjogging“-Abklatschs ist bei mir 240 KB groß). Ihr könnt dann das WAP beenden. Auf der EA-Seite steht, man muss den Download nach Beendigung abspeichern, das war bei mir nicht nötig, er hat es automatisch im Spieleordner abgelegt. Dies ist wohl von Handytyp zu Handytyp unterschiedlich.

Und noch eine Anmerkung: EA wird seinen Ruf als seriöses Unternehmen sicher nicht damit riskieren wollen, dass es euch irgendein Abo andrehen will, ihr könnt also unbesorgt sein. Wenn ihr das Spiel haben wollt, ladet es herunter, wenn nicht, lasst es eben bleiben. In meinen Augen ist der Preis für zwölf Missionen und einen Gefechtsmodus nicht zu hoch.

Technik

Wenn man nun nicht gerade das iPhone hat, sind die technischen Ressourcen eines Handys begrenzt, sehr begrenzt und ja, natürlich merkt man das. Wenn man das Spiel startet, wird man von der Musik begrüßt, die auch im Original-Hauptmenü zu hören ist, wobei zu merken ist, dass man sich was Optik und Klänge angeht redlich Mühe gegeben hat, das PC-Spiel einzufangen. Nur klingt das ganze natürlich längst nicht so hochwertig, wie wir das gewohnt sind, aber das soll uns hierbei nun nicht stören. Was aber auffällt ist, dass es im Spiel selbst leider neben dem Menülied nur zwei Stücke gibt, eins für den Bau- und eins für den Kampfmodus. Da wäre dann wohl doch etwas mehr drin gewesen, auch wenn es natürlich auf Kosten der Downloadgröße gegangen wäre.

Optisch fängt das Spiel den Stil des Originals sehr gut ein, die Gebäude ähneln ihren Vorbildern sehr. Natürlich merkt man aber an einigen Stellen, dass man an die Grenzen des technisch machbaren gestoßen ist. Der gezeigte Bildschirmausschnitt erweist sich in Kämpfen leider oftmals als zu klein, wofür das Spiel natürlich aber nichts kann. Immerhin bietet man neben Textbriefings durch die Originalcharaktere sogar kleine Zwischensequenzen, in denen wir auf die bevorstehenden Schlachten vorbereitet werden.

Was aber anzumerken ist: Im Gegensatz zu dem, was man auf den Screenshots sieht, kann man bei mir keine dermaßen aufwendige obere Bildschirmleiste sehen. Ich habe zwei das Radar, die Geld- und die Energieanzeige, die hängen aber mehr oder weniger „in der Luft“. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass mein Handy (ein Samsung SGH-E250V) technisch wohl nicht ganz auf der Höhe der Zeit ist und zudem hätte die Leiste sowieso nur gestört, da sie das an sich schon kleine Sichtfeld noch mehr verringert hätte.

Das Spiel wird übrigens euren Vibrationsalarm auf eine TÜV-verdächtige Belastungsprobe stellen. Denn es ist nun einmal so, dass dieser bei jeder Explosion ausgelöst wird und was das anbelangt ist, wo C&C drauf steht nun mal wie immer auch C&C drinnen. Drei der fünf feindlichen Einheitentypen explodieren beim Ableben und es wird zum Ende hin ganz schön viel. Nach einiger Zeit fühlt sich dabei die Hand komisch an und das Handy wird ziemlich warm, ich wollte euch nur gewarnt haben.

Rundenbasierte Echtzeitstrategie

So simpel die Spielweise von C&C auf dem PC anmuten mag, auf dem Handy ist sie natürlich in der Form nicht umsetzbar, da viel zu viel gleichzeitig erledigt werden müsste, was mit den wenigen Tasten eines Handys kaum möglich ist. Von daher hat man den Spielablauf in zwei nacheinander folgende Runden geteilt. Der erste ist der so genannte Baumodus. Hier habt ihr eine bestimmte Anzahl von Credits, die ihr nach belieben ausgeben könnt. Ihr könnt Gebäude bauen, Einheiten ausbilden, Upgrades erwerben usw. Dabei muss wie im „echten“ C&C auf die Energieversorgung geachtet werden. Auch Raffinerien und (unsichtbare) Sammler können gebaut werden, was einem dann für jede Runde einen zusätzlichen Credits-Bonus beschert. Wenn das Geld doch mal knapp werden wollte, kann man Gebäude natürlich auch verkaufen. Zu beachten ist hierbei: Die Gebäude können nur direkt nebeneinander aufgestellt werden, das sieht zwar etwas merkwürdig aus, da die Einheiten aber sowieso spawnen und nicht aus dem Gebäude heraus kommen, ist es sogar recht sinnvoll, da man wichtige Bauwerke kurzerhand „zubauen“ kann. Schützen kann man sich übrigens auch mit Verteidigungsanlagen, wie im echten C&C eben. Hier stehen aber keine verschiedenen Modelle zur Verfügung.

Ist man fertig mit dem Bauen und/oder hat kein Geld mehr, wird auf Knopfdruck der Kampf eingeleitet. Nun betreten nacheinander mehrere mehr oder weniger große Wellen das Feld, die es abzuwehren gilt. Man ist dabei stets von einer Übermacht umgeben, strategisches Vorgehen ist von daher angebracht. Leider ist das mit der KI so eine Sache. Die Gegner fahren im Grunde genommen nur Wegpunkte ab und wenn sie auf diesen auf nichts stoßen, fahren sie bis zum Kartenrand und drehen hier um, so lassen sie sich zum Teil auch austricksen. Man selbst steuert im Kampf zwei bis zu fünf Mann große Kampftrupps, die man sich im Baumodus beliebig zusammengestellt hat und kann sie über die Karte scheuchen. Feuern tun sie von alleine. Die einzelnen Einheiten können dabei übrigens auch befördert werden, das geht aber ziemlich schnell und zwei Winkel sind auch schon das höchste der Gefühle. Wenn es einmal brenzlig wird, kann man natürlich auch altbewährte Hilfen, wie Orcas einsetzen. Die steuert man nämlich nicht direkt, sondern kann auf der Landeplattform einen Angriff einkaufen. Diesen befehligt man dann auf ein Zielgebiet, wobei der Schaden wirklich beachtlich ist, was bei den zunehmend größer werdenden Panzerverbänden von Nod aber auch eine dringende Notwendigkeit darstellt. Sind die Angreifer zurückgeschlagen, endet eine Runde und man erhält eine Statistik des Geleisteten. Nun wechselt man wieder in den Baumodus.

Selbst angreifen tut ihr übrigens nicht, das gesamte Spiel besteht nur aus Verteidigungseinsätzen, wobei wie schon gesagt, die Anzahl der angreifenden Truppen rapide zunimmt und ihr Unterstützungsangriffe, wie die des Orcas oder des Firehawks weise nutzen solltet. Und wie sich hierbei schon heraus lesen lässt: Auf Seiten Nods oder gar der Scrin kann man nicht ins Gefecht ziehen.

All diejenigen, die rundenbasierte Echtzeitstrategie für seltsam oder untypisch für ein C&C halten, die seihen vor dem neuen Spielmodus „Globale Eroberung“ in Kanes Rache schon mal gewarnt. In diesem wird (abgesehen von den wahlweise stattfindenden Echtzeit-Schlachten) genauso gearbeitet – und es macht dennoch viel Spaß. Aber das ist ein anderes Thema, mehr dazu in unserem bald erscheinenden Kanes Rache Test, pünktlich zum baldigen Release des Tiberium Wars Erweiterungspacks.

Die Kampagne

Wenn man beginnt, empfiehlt es sich, mit der Kampagne loszulegen. Diese enthält nämlich ein Tutorial, in dem die Grundlagen des Spiels ziemlich ausführlich in mehreren Schritten erklärt werden. Wenn man den Feldzug spielen will, kommt man sowieso nicht darum herum, die andern beiden Feldzüge („Kapitel“) werden erst zugänglich, wenn man die Einführung bewältigt hat. Auch in der regulären Kampagne erfolgen noch einige Hilfestellungen.

Die Kampagne hat übrigens auch eine Story, diese ist aber nun nicht sonderlich spannend oder gar spektakulär. Eigentlich wird einem immer nur erzählt, dass Stützpunkte in der Nähe bereits überrannt worden sind oder Nod sich in der Nähe zusammengezogen hat. Somit wird ein roter Faden zwischen die Angriffswellen gespannt, mehr eben aber auch nicht. Wer auf Hintergründe oder ähnliches gehofft hat, wird enttäuscht sein, ansonsten kann man sich an dem Vorhandensein der Originalcharaktere oder den kleinen Zwischensequenzen erfreuen, in denen die Story erzählt wird.

Der Gefechtsmodus

Im Gefechtsmodus könnt ihr eine von vier Karten wählen, wobei drei davon schon aus der Kampagne bekannt sind. Zudem könnt ihr den Schwierigkeitsgrad auswählen, was sich z.B. auf das zur Verfügung gestellte Startgeld auswirkt. Ansonsten verhält es sich wie in der Kampagne, es gilt immer größer werdende Angriffswellen abzuwehren. Dabei steht euch im Gegensatz zur Kampagne von Anfang an der volle Technologiebaum zur Verfügung, dies hat leider zur Folge, dass man schon relativ früh zur Ionenkanone greifen kann, die recht kostengünstig ist und im Gegensatz zu den Luftangriffen nicht für jeden Schuss vorher bezahlt werden muss. Sie verbraucht zwar ein hohes Maß an Energie, dafür werden Einheiten von ihr regelrecht pulverisiert, was das Ganze dann doch ein wenig zu leicht macht. Auch hier spielt man nur mit der GDI.

Es handelt sich beim Gefechtsmodus im Übrigen nicht, wie man meinen sollte, um eine Art Endlosspiel, viel mehr flimmert nach etwa zehn Runden der Abspann über das Display und man hat gewonnen, da eben alle Gegnerwellen besiegt sind. Es würde vermutlich aber auch irgendwann zu einfach werden, mehr als zehn Mammutpanzer, alle Upgrades, zahlreiche Luftangriffe und die Ionenkanone kann man ja nicht haben.

Fazit

Das Spiel ist natürlich aus technischen Gründen weit von dem entfernt, was ihr vom PC oder vielleicht eurer XBox gewohnt seid. Dennoch taugt es durchaus für die eine oder andere Runde zwischendurch in der Mittagspause oder auf längeren Fahrten. Es macht Spaß, feindliche Angriffswellen wieder und wieder zu vernichten. Auf längere Dauer mangelt es dann aber leider an Abwechslung. Ich spreche hier aber dennoch eine Empfehlung aus, da es mit der Kampagne und dem Gefechtsmodus auf mehrere Sitzungen verteilt durchaus Vergnügen bereitet. C&C Fans, die nichts von Handy-Spielen halten, werden auch damit nicht glücklich, doch alle, die auch dem Handy als Spielplattform gegenüber aufgeschlossen sind, die werden mit der Mobile Version von C&C3 sicher mehr Freude haben als mit sonstigen Handy-Spielen.