Mubarak tritt zurück

RaoulDuke

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Dec 10, 2006
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Monaco di Bavaria
Das Warten der abertausenden Demonstranten auf dem Tahir-Platz hat sich gelohnt. Nach wochenlangen Protesten tritt der ägyptische Präsident Hosni Mubarak nach 30 Jahren Herrschaft zurück. Die Armee übernimmt die politische Kontrolle um nach eigenen Angaben einen demokratischen Übergang zu gewährleisten. Während es nach der Rede gestern von Mubarak allen Anschein hatte das Regime wolle sich bis zuletzt an die Macht klammern, hatte es dem Druck der Straße schon heute nichts mehr entgegenzusetzen.

Ich persönlich finde es immer beindruckend und auch schön wenn es ein Volk schafft sich friedlich gegen autokratische Machthaber aufzulehnen. Auch gilt mein Respekt der ägyptischen Armee die sich geweigert hat das eigene Volk niederzuknüppeln. Natürlich bleibt abzuwarten ob die militärische Kaste Ägyptens wirklich den versprochenen demokratischen Wandel ermöglicht, doch der erste Schritt ist getan.
Meine besten Wünsche und auch Glückwünsche haben die Ägypter auf jeden Fall :) Wie seht ihr das?
 
Nov 18, 2003
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HH
Mubarak ist zurückgetreten!

Ist das Volk mit diesem Ereignis zufrieden, beweist es so seine eigene Blauäugigkeit.
Denn man muss sich fragen warum das Volk Demonstrierte ,was war die Triebfeder, war das alleinige Ziel der Sturz des Mubarak oder waren es die Probleme der Sozialen ungleichheit?
Wahrscheinlich kommt nun ein anderer Präsident und führt alles weiter wie bisher

Der Mubarak Sturz gleicht dem Abschlagen des Schwanzes einer Schlange.
Die Probleme der Arabischen Länder fußen auf dem ungeeigneten System in dieser Region.
Demokratie ist nicht mit Zwang aufrechtzuerhalten und ist so vom selbstverständnis der Demokratie auch absurd.
 
Jul 15, 2006
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Vice City
Mal schauen welches Regime im Maghreb bzw. im Nahen Osten als Nächstes dran ist. Die Lage in diesen Regionen bleibt auf jeden Fall ziemlich interessant!

Und den Ägyptern kann man nur wünschen, dass sie die nun vorhandene Chance nutzen und die gewaltigen Herausforderungen meistern.
 

RaoulDuke

Clanforum-Moderator
Dec 10, 2006
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Monaco di Bavaria
Und damit wird Ägypten wohl zum zweiten Iran...
Wieso denn das? Wegen der pöhsen Muslimbrüder? Bezweifel ich stark das die die Bewegung ausschließlich an sich reißen können. Man sollte die Bevölkerung anderer Länder nicht immer automatisch für dumm halten nur weil sie ärmer sind oder einem anderen Kulturkreis angehören.

dann gibts jetzt mcdonalds auch bald in ägypten? ich bin schwer begeistert
Du bist politisch und am Weltgeschehen nicht so interssiert, oder?
 
Aug 7, 2007
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Niederbayern
Wieso denn das? Wegen der pöhsen Muslimbrüder? Bezweifel ich stark das die die Bewegung ausschließlich an sich reißen können. Man sollte die Bevölkerung anderer Länder nicht immer automatisch für dumm halten nur weil sie ärmer sind oder einem anderen Kulturkreis angehören.
Die Revolution im Iran fing auch an als einfache Bewegung den Schah zu stürzen, bevor die Islamisten übernommen haben. 2005 haben die trotz des Parteiverbots und Massenverhaftungen noch 20% der Parlamentssitze bekommen und waren damit der größte Oppositionsblock. Selbst wenn es irgendeine Art von republikanischer Demokratie geben sollte, wird es nicht lange dauern bis die Islamisten reingewählt werden.
 
Nov 18, 2003
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HH
Die Revolution im Iran fing auch an als einfache Bewegung den Schah zu stürzen, bevor die Islamisten übernommen haben. 2005 haben die trotz des Parteiverbots und Massenverhaftungen noch 20% der Parlamentssitze bekommen und waren damit der größte Oppositionsblock. Selbst wenn es irgendeine Art von republikanischer Demokratie geben sollte, wird es nicht lange dauern bis die Islamisten reingewählt werden.
Zunächst einmal ist Ägypten Sunnitisch und nicht Schiitisch wie der Iran.
Etwa 90 % der Einwohner Ägyptens bekennen sich zum sunnitischen Islam.

Wer sagt im Iran gäbe es eine Islamische Regierung hat wiederrum keine Ahnung, denn dafür würde es einen Kalifen und eines Kalifats bedürfen.
Beides ist im Iran nicht vorhanden und auch sonst nirgends in den Arabischen Ländern.

Was du meinst Madu ist wahrscheinlich nichts anderes als, das es dazukommen wird, das der nutzniessende Westen seine Macht und Einfluss in dem Gebiet zum Teil an in zukunft nutzniessende einheimische Mächte und Personen verlieren wird.
Einen Lakai wie Mubarak zu finden und dem Volk als vertauensvoll zu präsentieren und platzieren ist nun Aufgabe der westlichen Aussenpolitik.
 
May 9, 2003
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skep1l.wordpress.com
Du vergleichst hier Äpfel mit Birnen. In Ägypten stammt rund ein Viertel des BIPs vom Tourismus. Schon allein dadurch, kann man nicht so feindlich dem Westen gegenüber gesinnt sein. Vor allem hören und sehen die Menschen doch auch, wie gerade die ganze Welt den Ägyptern in den Arsch kriecht - vielleicht schindet das auch Eindruck. Um den Iran hat sich einfach nie einer nen Scheiss geschert...
 
Aug 7, 2007
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Niederbayern
Zunächst einmal ist Ägypten Sunnitisch und nicht Schiitisch wie der Iran.
Etwa 90 % der Einwohner Ägyptens bekennen sich zum sunnitischen Islam.
Deiner Meinung nach können also nur Schiiten radikal sein?

Wer sagt im Iran gäbe es eine Islamische Regierung hat wiederrum keine Ahnung, denn dafür würde es einen Kalifen und eines Kalifats bedürfen.
Beides ist im Iran nicht vorhanden und auch sonst nirgends in den Arabischen Ländern.
Es braucht kein Kalifat für ne Theokratie, es reicht schon wenn der religiöse Obermuffti auch gleichzeitig das höchste Staatsamt besetzt, wie es im Iran der Fall ist.

Was du meinst Madu ist wahrscheinlich nichts anderes als, das es dazukommen wird, das der nutzniessende Westen seine Macht und Einfluss in dem Gebiet zum Teil an in zukunft nutzniessende einheimische Mächte und Personen verlieren wird.
Einen Lakai wie Mubarak zu finden und dem Volk als vertauensvoll zu präsentieren und platzieren ist nun Aufgabe der westlichen Aussenpolitik.
Amerikas Arschküsser sind wohl immer noch besser als die Radikalen, die jetzt übernehmen werden.
 
Jul 15, 2006
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Vice City
dann gibts jetzt mcdonalds auch bald in ägypten? ich bin schwer begeistert
Mach dich nicht zum Esel... McDonald's Lokale gibt's im Übrigen bereits seit 1994 in Ägypten.

Und Vergleiche mit dem Umsturz im Iran erübrigen sich, da die Umstände nicht wirklich vergleichbar sind / waren.
 

RaoulDuke

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Dec 10, 2006
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Monaco di Bavaria
@Madu: Der Vergleich mit dem Iran ist wirklich nur bedingt zu gebrauchen. Neben den recht allgemeinen, schon vorgetragenen Unterschieden zum Iran, ist die Situation auch im speziellen doch sehr anders.
Die Revolution gegen das Regime des Schah war eben nicht eine allgemeiner Aufstand aus der Mitte der Zivilgesellschaft wie in Ägypten, sondern wurde zum einen von Anfang an von Ayatollah Chomeini und Teilen des schiitischen Klerus initiiert (und das über 10 Jahre lang), zum anderen hat zum Sturz des Schah auch beigetragen, dass Islamisten einen bewaffneten Guerillakampf gegen den Schah Reza Pahlavi führten. Der Umsturz wurde auch nicht spontan nach dem gelingen der Revolution "ursupiert", sondern die Islamisten waren von Anfang an die treibende Kraft hinter der nicht umsonst so genannten islamischen Revolution, die sich ja v.a. gegen die "weiße Revolution" richtete, also Reformen wie Abschaffung des Großgrundbesitzes, Frauenwahlrecht und Verbot des Tschadors bzw. Frauenrechte im Allgemeinen. Das alles sehe ich hier nicht, genausowenig wie die Islamisten die treibende Kraft hinter dem Aufstand sein sollen, vielmehr sind sie nur ein Teil, und beileibe nicht der größte, der Bewegung.
Kurzum ich sehe das ganz und gar nicht so wie du, weil die Vorrausetzungen einfach nicht dieselben sind.

Ganz allgemein besteht natürlich immer die Gefahr das sich autoritäre Kräfte egal welcher Coleur die Macht nach einem Umsturz an sich reißen. Aber zu sagen ein Aufstand für Demokratie und Menschenrechte, gegen Despotismus, Machtmißbrauch und Korruption ist nicht gut, weil er die Gefahr eines erneuten Autoritären Regimes droht, dann kann man eh jeden Fortschritt für Demokratie und Menschenrechte vergessen und ganz nebenbei erklärt man dann andere Völker für unmündig. Das Risiko muss man einfach eingehen und ein friedlicher Umsturz wie im Falle Ägyptens ist imo einfach nur zu begüßen.
Im übrigen ist es genau diese Haltung des Westens, autoritäre Herscher aus egoistischen Gründen zu stützen, die viel Kredit in der islamischen Welt gekostet hat und nebenbei auch moralisch nicht unbedingt konsequent ist.

Nebenbei empfinde ich die Moslembrüder nicht gerade als die Taliban oder die Fedajin e Islam. So wie sich geben scheinen sie sich eher an der türkischen AKP zu orientieren. Natürlich können die auch nur Kreide gefressen haben, aber es gibt durchaus Möglichkeiten eine Verfassung so zu gestalten, wie wir in Deutschland wissen,dass Parteien die wieder einer demokratischen Grundordnung und gegen grundsätzliche Menschenrechte sind, zu verbieten bzw. auszuschließen. Deswegen wäre es ja schön sofern ein echter demokratischer Umschwung kommt, der Westen beratend zur Seite steht.


@all: Wäre schön wenn wir hier gesittet diskutieren können und das nicht wieder so ne islamo-phobe bzw. -phile platte Sarrazin-Diskussion wird.
 
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stefros

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Endlich ist das ägypitsche Volk befreit. :) Zwar eine Woche später als erwartet, aber besser spät als nie.

Mubarak kann einem aber auch ein bischen Leid tun. Er hatte ja ein etwas verzogenes Selbstbild und dachte er täte dem Volk mit seiner Herrschaft etwas gutes. Wenn einem dann diese gigantische Ablehnung entgegenschlägt ist das natürlich schon ein Schock.

Man sollte hier jetzt nicht an seinen eigenen Vorteil denken. Ob da jetzt wieder eine US-Marionette an die Macht kommt ist nicht primär von Interesse. Es sollte jemand sein den das ägyptische Volk akzeptiert und der das Land gut regiert. Wenn es den Leuten dort gut geht werden sie auch aufgeschlossen gegenüber anderen Kulturen sein.
 

Psycho Joker

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ubi bene
skep... sechs, nachsitzen!
Iran war damals wie heute ein großes Ölexportland. Es haben sich sehr wohl sehr viele um den Iran geschert. Der Schah wurde damals ja von allen hofiert. Stichwort 68er-Demo gegen Schah-Besuch in Deutschland.

Madu... sechs, nachsitzen!
Du fällst auf Gewhine von rechtskonservativen Medien rein, die sich vor einer popeligen Muslimbruderschaft anscheißen, weil die gesamte Region nur unter dem Aspekt der Israelpolitik gesehen wird. Fakt ist, dass so, wie die Lage ist, die Staatsspitze ausgetauscht wurde, mehr nicht. Der ganze Regierungs-, Polizei- und vor allem Armeeapparat bleibt unangetastet bestehen. Die Macht haben nicht die Demonstranten, sondern nach wie vor immer noch die Armee. Vergesst das nicht.
Jetzt wird die Nachfolge ausgehandelt und wenn die steht, sagt die Armee zu den Demonstranten: "So, der Umsturz ist vorbei und jetzt geht nach Hause!"
Dann entscheidet sich, wie weit es wirklich mit Regimewechsel und Demokratie ist. Wird es so wie in Portugal oder ändern sich nur des Regimes Kleider.
 
Nov 10, 2007
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Köln
Ich glaube auch dass es in Ägypten nicht zu großartigen Veränderungen kommt.
Die Armee hat die Macht, die Demos haben nur funktioniert, weil es im Interesse der Armee geschah.
Hätten die Panzer auf das Volk geschossen, wäre dies Demo genau so zuende gegangen wie die Studentendemos in China es damals waren.
 

Psycho Joker

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Jul 6, 2002
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ubi bene
Das ist falsch. Die Armee hatte prinzipiell kein Interesse daran, Mubarak abzusägen. Wieos auch? Er ist ja einer von ihnen. Das geschah nur, weil der Druck durch die Bevölkerung zu groß war. Die Armee hatte die Wahl zwischen dem Absägen ovn Mubarak oder offener Gewalt gegen das Volk. Letzteres wäre katastrophal gewesen. Gewalttätige Eskalation würde letztlich so oder so zum Zusammenbruch des Status quo führen. Nur schafft man dann noch zusätzlich die Gefahr, dass Radikale das Ruder übernehmen.

Ich habe auch nicht gesagt, dass es nicht zu großartigen Veränderungen kommen kann. Das kann nach wie vor passieren. Mir ging's darum, klarzumachen, wer das Heft in der Hand hat und von wem es abhängt, ob es Veränderungen gibt.