Du Bürger und Du Bauersmann
Schaut recht Euch diese Blätter an!
Da seht ihr nackt und ohne Kleid
Ein ernstes Bild aus ernster Zeit.
Wohl kommt so mancher zu Euch her,
Als ob's ein neuer Heiland wär,
Und spricht von Macht und Herrlichkeit,
Die er für alle hat bereit;
Ihr glaubt es ihm, weil's Euch gefällt -
Schaut her, wie es damit bestellt.
"Freiheit, Gleichheit und Brudersinn!
Du alte Zeit, fahr hin! fahr hin!" -
Solch Schrei durchzieht der Völker Rund,
Da tut sich auf der Erde Grund;
Es steigt herauf ein Sensenmann.
Der merkt: ein Erntetag bricht an.
Und wie er steigt ans Licht hervor,
Drängt sich um ihn ein Weiberchor,
Sein Rüstzeug bringen sie heran,
Dass er sein Werk vollenden kann.
Gerechtigkeit gebunden ist -
Das Schwert stahl ihr die schlaue List,
Die Lüge nahm die Wag ihr fort,
Sie bieten's dem Gesellen dort.
Den Hut reicht ihm die Eitelkeit,
Die Tollheit hält ihr Ross bereit,
Die Blutgier bringt die Sense her,
Das ist des Schnitters beste Wehr! - -
Ihr Menschen, ja! nun kommt der Mann,
Der frei und gleich Euch machen kann.
Der Morgen schaut vom Himmelszelt
So klar wie sonst auf Stadt und Feld;
Da trabt mit wilder Hast heran
Der Freund des Volks, der Sensenmann.
Zur Stadt lenkt seinen Gaul er hin,
Schon ahnt er reiche Beute drin.
Die Hahnenfeder auf dem Hut
Glüht in der Sonne rot wie Blut,
Die Sense blitzt wie Wetterschein,
Es stöhnt der Gaul, die Raben schrein!
Die Schenk und mancher Gast davor;
Beim Branntwein, frecher Lieder Klang,
Und wüst Gelächter, Spiel und Zank! -
Er tritt heran mit schlauem Blick
Und ruft: "Aufs Wohl die Republik!" -
"Was gilt noch eine Krone viel?
Nicht mehr als wie ein Pfeifenstiel.
Zum Spass will ich's beweisen Euch
Gebt Acht!" - Er holt die Wage gleich!
Hält sie am Zünglein, statt am Ring, -
Sie merkens nicht, sie freut das Ding, -
Sie schrein: "Das ist der rechte Mann!
Dem folgen wir, der führ uns an!" - -
Du blindes Weib, was schleichst du fort?
Siehst mehr du, als die andern dort - - ?
Freiheit, Gleichheit und Brudersinn!
Der Schrei wälzt durch die Stadt sich hin.
"Zum Rathaus!" - Horch, der Steinwurf saust,
"Hoch Republik!" - Die Flamme braust. -
"Zum Markt! Zum Markt!! Da steht er schon
Der Held der Revolution!
Hört ihn!" - - Stumm alles wie ein Grab.
Er aber reicht ein Schwert herab
Und hält es allem Volk bereit -
Die List nahm's der Gerechtigkeit -
Er schreit! "Du Volk! Dies Schwert ist Dein!
Wer sonst kann richten? Du allein!
"Blut! Blut!" viel Tausend Kehlen schrein.
"Zur Barrikade!" - - "Pflaster auf!!" - -
Da steht der Bau - und oben drauf
Er, den zum Führer sie ernannt,
Die blutge Fahn in fester Hand! -
Kartätschen pfeifen, hei! das kracht.
Sie stürzen rings, er aber lacht:
"Jetzt lös ich mein Versprechen Euch:
Ihr alle sollt mir werden gleich!"
Er hebt sein Wams, und wie sie's schaun,
Da fasst ihr Herz ein eisig Graun.
Ihr Blut strömt, wie die Fahne rot;
Der sie geführt, - es war der Tod!
Der sie geführt, es war der Tod!
Er hat gehalten, was er bot.
Die ihm gefolgt, sie liegen bleich. -
Seht hin, die Maske tat er fort!
Als Sieger hoch zu Rosse dort,
Zieht, der Verwesung Hohn im Blick,
Der Held der roten Republik.
Als Leichen - ja! da sind wir gleich!
Nicht hoch noch tief, nicht arm noch reich
O Freiheit, wer führt dich herbei?
Nicht Mord und nicht der Laster Schrei.
Nur wann erstickt der Selbstsucht Glühn,
Wirst Du in Herrlichkeit erblühn! -
Und Gleichheit! Bringt sie nur der Tod?
Nein! Allen strahlt ein Morgenrot.
Ja, glaubt, die Guten sind sich gleich
Ob hoch, ob tief, ob arm, ob reich.
Du Bruderliebe, Bürgerhort,
Der reinsten Lehre reinstes Wort!
Geschändet hat man Dich, entehrt,
Zur Mörderfackel Dich verkehrt;
Vom Himmel nahmst Du Deinen Lauf,
Zum Himmel flamme freudig auf
In reiner Tat, ein heilger Brand!
So segne Gott das Vaterland!