Am 7. Februar 1974 wird die kleine Karibikinsel Grenada von den Briten unabhängig. Eric Gairy übernimmt die Führung des Staates. Seine Herrschaft dauert fünf Jahre. Der marxistisch eingestellte Maurice Bishop beendet im Jahre 1979 mit einem unblutigen Staatsstreich die korrupte Herrschaft Gairy’s. Seit dem ist die kleine Insel ein Dorn im Auge der USA. Der US-Präsidentschaftskandidat Ronald Reagen macht später in seinen Wahlkämpfen auch keine Geheimnisse daraus, dass er im Falle eines Sieges, die vorhandenen Verhältnisse auf Grenada nicht dulden werde.
Ministerpräsident Maurice Bishop leitet nach seiner Machübernahme unverzüglich politische und soziale Reformen ein. Er ist im Lande populär, weil er “volksnah” regiert. Vor allem versucht er durch gezielte Maßnahmen die Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen und lässt auch das Volk an politischen Debatten, Sozial-Programmen und an der Verwirklichung dieser teilhaben. Er steht für eine Revolution nach kubanischem Vorbild.
Ronald Reagan
Ronald Reagan überfällt Grenada
Im Jahre 1981 wird Ronald Reagen Präsident der USA. Durch Boykott und Isolierungsmitteln setzt er Grenada praktisch einem Staatsbankrott aus. Schließlich probt Reagen im Rahmen eines NATO-Manövers die Invasion einer Insel – ein Zeichen, das in Grenada kaum missverstanden wird. Maurice Bishop veröffentlicht 1983 Erkenntnisse, nach denen der CIA den Sturz seiner Regierung vorbereite und Pläne für eine Invasion Grenadas ausarbeite. Aus diesem Grund versucht Bishop einer amerikanischen Invasion zuvorzukommen, in dem er eine Strategie der Annäherung an die USA verfolgt. 1983 wird er jedoch verhaftet und von der eigenen Miliz ermordet. Die USA befürchten nun eine zu große Annäherung Grenadas an Kuba und beschließen die Invasion der Insel.
Am 24. Oktober 1983 greifen die USA rechtswidrig Grenada an und besetzen das Land, mit der Begründung, eigene Bürger schützen zu wollen. Die angebliche Bedrohung von Leib und Leben von US-Bürgern auf Grenada ist nur ein Vorwand. Der Militärrat Grenadas hatte allen US-Bürgern und sonstigen Ausländern angeboten, sie jederzeit ausfliegen zu lassen. Die USA verwirklichen ihr Ziel, setzen das marxistische Regime ab und installieren eine provisorische Regierung unter Scoon. Nach der Besatzung der Insel durch US-Streitkräfte werden Massenorganisationen aufgelöst, Staatsangestelle entlassen, alle Sozialprogramme und etliche Entwicklungsprojekte eingestellt. Fast 100 bis 150 Menschen verlieren durch die Kämpfe ihr Leben.
Reagen erhielt im eigenen Land stets Zuspruch für die Invasion. Über die Rechtswidrigkeit der Invasion sprach niemand in den USA.
Der Sudan ist das flächenmäßig größte Land Afrikas. Etwa 74% der Bevölkerung sind Muslime, 13% gehören den traditionellen Religionen an und etwa 13% sind Christen. Im Jahre 1956 wird der Sudan von den Briten und den Ägyptern in die Unabhängigkeit entlassen. Seit dem herrscht in dem Land Bürgerkrieg, hauptsächlich zwischen der muslimischen Regierung und dem christlichen Süden.
Von herausragender Bedeutung für das Land sind die unschätzbaren Bodenschätze wie Gold, Diamant, Uran und Erdöl. Die meisten Bodenschätze sind bis heute nicht erschlossen. Die Erdölvorkommen im Sudan werden von den Amerikanern auf drei Milliarden Barrel vermutet.
Omar Hassan Ahmad al-Bashir
Al-Bashir, Präsident Sudans
Im Jahre 1989 putscht das sudanesische Militär unter der Führung des Generalleutnants Omar Hassan Ahmad al-Bashir und errichtet eine islamische Militärregierung. Bashir wird Staatsoberhaupt.
Seit der Machtergreifung Bashirs und der Einführung des islamischen Rechts steht der Sudan unter besonderer Beobachtung der USA. Die Entwicklungen beunruhigen Washington zunehmend, weil die USA ihr Interesse an den Bodenschätzen des Landes unter einer islamischen Militärdiktatur gefährdet sehen.
George Bush, Vizepräsident unter Reagen und seit 1989 Präsident, veranlasst eine Reihe von Maßnahmen, die den Sudan unter Druck setzen sollen. Zunächst werden Weizen-Hilfslieferungen eingestellt, anschließend weitere ökonomische und diplomatische Maßnahmen getroffen, stets mit dem Ziel, Sudan weiter zu schwächen. Das schon bettelarme Land mit seinen etwa 30 Mio. Einwohnern leidet massiv unter dem Boykott der USA. Lebensmittel und Medikamente werden knapp, die Sterberate im Land schnellt in die Höhe.
Die grausame US-Politik findet ihren Höhepunkt schließlich in der offiziellen Unterstützung der Nachbarstaaten Sudans, die feindlich gegenüber dem Land eingestellt sind. Für die Rebellenbewegung und für Oppositionelle im Nordsudan werden sogar militärische, logistische und finanzielle Unterstützung zur Verfügung gestellt. Die Friedensbemühungen Sudans den Konflikt im eigenen Land zu beenden, werden von den USA bis heute torpediert.
Insbesondere die Clinton-Regierung führt die grausame Politik ihrer Vorgängerin unvermindert fort. Nach den zeitgleichen Bombenanschlägen auf die US-Botschaften im kenianischen Nairobi und im tansanischen Daressalam am 7. August 1998 befiehlt Präsident Bill Clinton die Bombardierung Sudans und Afghanistans. Ziel der Bombardierung ist laut den USA, die Zerstörung von Ausbildungslagern islamischer Terroristen in Afghanistan und die Vernichtung einer Chemieanlage im Sudan. Die vermeintliche Chemieanlage im Sudan entpuppt sich allerdings als Arzneimittelfabrik, die basismedizinische Versorgung des gesamten Landes gewährleistet.
Zerstörte Arzneimittelfabrik Al-Shifa
Zerstörte Arzneimittelfabrik Al-Shifa - Sudan, 20.08.1998
Die US-Bombardierung der Arzneimittelfabrik stellt eine schwerwiegende Missachtung humanitärer Werte dar. Abermals verstoßen die USA gegen internationale Gesetze und greifen einen souveränen Staat militärisch an. Dabei ignorieren die USA die Zuständigkeit der UNO. Die Amerikaner stellen weder einen Resolutionsantrag noch teilen sie den Vereinten Nationen mit, dass sie sich durch den Sudan bedroht fühlen und deshalb militärisch handeln werden.
Durch die Cruise-Missiles-Bombardierung der Arzneimittelfabrik entsteht ein Sachschaden in Höhe von 100 Mio. US-Dollar, zahlreiche Menschen werden verletzt und etwa 300 Menschen verlieren ihre Arbeit. Die Folgeschäden sind jedoch gravierender. Kinder, Frauen und Kranke müssen aufgrund von Medikamentenmangel sterben.
So nutzlos diese militärische Aktion auch für die USA ist, verteidigt Präsident Clinton den Angriff auf den souveränen Sudan und rechtfertigt die Aggression gegen das verarmte, afrikanische Land.