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Was wird jetzt eigentlich aus LucasArts?

Was wird jetzt eigentlich aus LucasArts?


Disney und Lucas Arts

30. März 2013 von moby3012


Lucasfilm gehört nun dem Disneykonzern. Was bedeutet das für Lucasarts? Eine Kolumne von Blade.

Es war wohl die Meldung des letzten Herbst, die sogar Hurricane Sandy kurzzeitig zur Randnotiz werden lies: George Lucas verkauft sein Filmimperium „Lucasfilm“ für 4,05 Milliarden US-Dollar an den Megakonzern Disney, der schon längst nicht mehr nur aus Mickey Mouse und Donald Duck besteht. Doch neben den Lizenzen zu den wertvollen Film-Franchises Star Wars und Indiana Jones zieht Lucasfilm einen ganzen Rattenschwanz an anderen Unternehmen, die 100%ige Töchter von Lucasfilm sind, mit in den Disney-Konzern. Darunter die Special-Effect-Schmiede „Industrial Light and Magic“ und eben auch die Spieleentwickler von LucasArts, deren höchst wechselhaften Geschichte nun ein neues Kapitel geschrieben wird. Und tatsächlich gab es am Rande der Aufregung um die Übernahme und die Ankündigung der neuen Star Wars-Streifen auch etwas über Lucasarts zu sagen. Grund genug für uns einmal zurück und nach vorne zu schauen.

Was wird jetzt eigentlich aus LucasArts?

LucasArts wurde 1982, also ein Jahr vor Erscheinen von „Rückkehr der Jedi Ritter“, unter dem Namen „Lucasfilm Games“ gegründet und war von Beginn an keine Spieleschmiede, die nur zur Versoftung der Star Wars-Lizenz herhalten sollte. Vielmehr bestand der Anspruch von Lucas auch auf dem Unterhaltungsmarkt der Videospiele Fuß zu fassen.

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In den ersten Jahren machte sich Lucasfilm-Games vor allem mit „Point&Click“-Adventures einen Namen. Hier gab es viele Spiele, die noch heute als Meisterwerke der Spielegeschichte angesehen werden. Darunter Maniac Mansion (1987) und dessen inhaltlicher Nachfolger Day of the Tentacle (1993), das heute noch Kultstatus genießt. Auch Zak McKracken and the Alien Mindbenders (1988) sowie die Monkey Island-Reihe (1990) sind Spielern heute noch ein Begriff selbst wenn sie die Spiele selbst nie gespielt haben.  Federführend in dieser Zeit war Ron Gilbert, dessen Inspiration für die Monkey Island-Reihe laut eigener Aussage unter anderem die Disney-Attraktion „Pirates of the Caribbean“ war. Im Licht von heute eine äußerst interessante Aussage, nicht nur weil eben Disney nun Lucasfilm gekauft hat.

Nach diesen sehr erfolgreichen Ausflügen in unbekannte Gefilde entschied man sich nach mehreren Umstrukturierungen bei Lucasfilm anfang der 1990er, die auch zur Namensänderung zu „LucasArts“ führten, die starke Star Wars-Lizenz in Spielen zu vermarkten. Das erste Star Wars-Spiel war The Empire Strikes Back (1992), ein Jump’n’Run für den NES, welches erstmals Jedi- bzw. Machtkräfte spielbar machte, welche noch in vielen Spielen erfolgreich Einzug halten würden.
Nennenswert sind aber die Vielzahl an Weltraum- und Flugsimulationen die Mitte der 90er-Jahre erschienen. Darunter Star Wars: X-Wing (1993) ,dessen Fortsetzungen Star Wars: TIE Fighter (1994) sowie Star Wars X-Wing Alliance (1999) und die Multiplayer-Umsetzung X-Wing vs. TIE Fighter (1997). Diese Spiele waren die direkte Konkurrenz der Anfang der 90er-Jahre erschienenen Wing-Commander-Reihe und glichen dieser in vielen Punkten.Als Killerapplikation für die CD-ROM gilt bis heute der Rail-Shooter Star Wars: Rebel Assault (1993). Das Spiel wurde als eines der Ersten ausschließlich auf CD-ROM veröffentlicht und nutzte damit die Möglichkeiten des neuen Speichermediums erstmals aus indem es viele für damalige Verhältnisse faszinierende Videosequenzen bot.

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Mit Dark Forces (1995) wurde der erste Ego-Shooter von Lucas Arts veröffentlich. Genau wie schon Rebel Assault war Dark Forces ein großer Fortschritt für sein Genre. So ermöglichte die eigens entwickelte Engine für damalige Shooter unübliche Features wie mehrstöckige Levels oder das heute selbstverständliche „Auf und Ab“-Schauen. Dark Forces wurde in Deutschland von der Bpjs indiziert. Bekannter ist deshalb der zweite Teil Dark Forces II: Jedi Knight (1997), der in Deutschland unter dem Namen „Jedi Knight“ erschien. War der erste Teil noch ein reiner Ego-Shooter, fügte Teil 2 nun einige Neuerungen hinzu, wie etwa das Schwingen von Lichtschwertern und den Einsatz von Machtkräften. Dies gab dem Spiel neben dem Star Wars-Setting einen zusätzlichen Schub um sich von der Konkurrenz abzuheben. Als einziges Spiel der Reihe erhielt es mit Mysteries of the Sith(1998) ein Addon. Die mit der Quake3-Engine umgesetzten Nachfolger Jedi Knight: Jedi Outcast (2002) und Jedi Academy (2003) konnten die Qualität und Innovativität ihrer Vorgänger nie wieder erreichen auch wenn sie keine schlechten Spiele waren.

Ab diesem Zeitpunkt verlagerte Lucas Arts sein Geschäftsfeld weg vom Entwickler hin zum Publisher. Mit dem Verkauf bzw. Verleih wurden bei namhaften Entwicklerstudios einige erfolgreiche Spiele veröffentlicht, bei denen Lucas Arts nur als Publisher fungierte. Hier sind vor allem die Knights of the Old Republic-Reihe (2003+2004)von Bioware/Obsidian und das Strategiespiel Star Wars: Empire at War (2006) der ehemaligen Westwood-Mitarbeiter von Petroglyph. Gemischte Kritiken erhielt dagegen der Battlefield-Klon Battlefront (2004). Der Ausflug ins MMORPG-Genre erwies sich mit Star Wars: Galaxies (2003) als herber Fehlschlag, sodass die Beteiligung von Lucas Arts an Star Wars: The Old Republic (2011) als verschwindend gering betrachtet werden kann.

Durch die Wandlung von Lucas Arts vom Entwickler zum Publisher und Lizenz-Händler wurden in den letzten Jahren bestenfalls durchschnittliche Videospiele veröffentlich. Eine Wiederbelebung alter Spielereihen wie Monkey Island schlug fehl und die Neubelebung der Star Wars-Spiele geht nur schleppend voran. Momentan ist mit Star Wars: 1313 ein Action-Adventure-Spiel in der Entwicklung. Hier übernimmt Lucas Arts wieder selbst Entwicklung und Publishing und viele setzen große Hoffnung in das Projekt.

Was wird nun aber aus Lucas Arts nachdem Disney Lucasfilm und alles was dazugehört geschluckt hat? Laut Aussagen von Lucas Arts werden alle sich derzeit in Entwicklung befindlichen Projekte wie geplant weitergeführt. Darüber hinaus lies aber Disney schon verlauten, dass man sich „…wohl verstärkt auf den Social- und Mobile-Bereich konzentrieren“ will. Wenn man nun pessimistisch ist, dann könnte man sagen das verdammt das ehemals große Entwicklerstudio Lucas Arts zu einem Dasein wie Phenomic (die Entwickler von Spellforce, die nun für EA das Browsergame Tiberium Alliance entwickeln dürfen). Neuste Berichte vermelden sogar, dass Starwars: 1313 momentan auf Eis liegt. Seit dem Disney-Deal ist es sehr still geworden um LucasArts und ein Statement zu 1313 gibt es weder von seiten Lucasarts noch von Disney. Wir werden uns in Zukunft wohl mit dem Gedanken an Darth-Vader-Facebook-Minispiele anfreunden müssen. Evtl. kommt ein „Deathstar-Ville“, wer weiß das schon. Bleibt nur die Hoffnung, dass Disney wenigstens die Lizenzen an andere Spielestudios vermietet, damit wir nicht ganz auf halbwegs akzeptable Spiele im Starwars-Universum verzichten müssen. Nach einem halben Jahr sieht alles danach aus, als ob Disney keineswegs „A New Hope“ für LucasArts sind, sondern vielmehr „A Phantom Menace“… oder möglicherweise der Todesstoß für eine Spieleschmiede, die einstmals entscheidende Pionierarbeit für die ganze Branche geleistet haben.

Update: Wie Disney nun bekannt gab, wird LucasArts geschlossen und die sich in Entwicklung befindlichen Spiele eingestellt. Es besteht allerdings noch Hoffnung, dass diese bei internen Entwicklern weiterentwickelt werden.


Kategorie(n): News | Tag(s): Branchennews
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