Ich stelle euch hier mal kurz ein Spiel vor, welches mich neulich ziemlich geflasht hat und vom künstlerischen Aspekt was besonderes ist. Ich hoffe ihr habt kurz Zeit .

NaissanceE ist an das französische Wort "Geburt" angelehnt und suggeriert bereits vom Namen, dass es sich hier um ein recht metaphorisches Spiel handelt. Es ist ein Indiegame, welches von einer Person erstellt wurde, aber sich durch einige Besonderheiten auszeichnet...

Ihr seid Lucy und findet euch nach der Flucht vor einer undefinierbaren Monstrosität in einer unterirdischen Katakombe wieder. Jedoch keine normale, denn alles ist irgendwie abstrakt, viele Elemente setzen sich durch einfache geometrische Formen zusammen, und es ist alles irgendwie künstlich. Licht und Schatten spielen eine besonders große Rolle. Obwohl auf Texturen komplett verzichtet wird, ist die Szenerie aufgrund der Lichtspielereien und interessanten Architektur atemberaubend und schaurig. Die Farbpalette ist fast monochrom und düster, doch hin und wieder stechen ein paar desaturierte Farbtöne hervor.
Am Anfang müsst ihr euch in 1st Person Ansicht durch klaustrophobische Gänge zwängen und das spärliche Licht nutzen um einen Weg vorwärts zu finden. Teilweise müsst ihr mithilfe des Lichts auch Rätsel lösen, irgendwelche Waffen/Items oder ein Inventar habt ihr jedoch nicht. Mit der Zeit werden die simplen geometrischen Formen komplexer, und schon bald erkennt ihr, dass ihr euch eigentlich in einer ganzen Stadt befindet. In einer gewaltigen (aber verlassenen) Metropole, die industrielles Design und Art Deco Elemente vereint. Man kann sie mit der Szenerie aus Fritz Langs Filmklassiker "Metropolis" oder auch Ridley Scotts cyberpunkigen "Blade Runner" vergleichen kann. Ein Vergleich mit der Megastruktur aus dem Manga "Blame" ist auch nicht abwegig, der Autor lies sich von diesem soweit ich weiß auch inspirieren.
Die Szenerie wird jedenfalls immer gewaltiger und ihr kommt euch wahrhaft verloren vor während ihr durch die riesigen Hallen wandelt und die Architektur bestaunt. Das ganze ist trotz des eher simplen und tristen Grunddesigns ertaunlich abwechslungsreich, neben einer Stadt unter der Stadt krabbelt ihr auch durch riesige Belüftungsanlagen oder bahnt euch den Weg durch eine Wüste... Auch gibt es einen mindfuck Abschnitt in welchem mit einigen optischen Wahrnemungstricks einige ziemlich creepige Situationen erzeugt werden. Das Spiel ist übrigens trotzdem nur ca. 4 Stunden lang, also eigentlich ganz gut für zwischendurch geeignet.

Der Soundtrack trägt auch viel zum Spiel bei. Es wurde kein eigener Soundtrack zum Spiel aufgenommen, aber der Autor hat mit 3 bekannten Künstlern kooperiert (z.B. Pauline Oliveros, mittlerweile 80 Jahre alt), welche sich auf experimentelle Musik spezialisieren. Das merkt ihr bestimmt spätestens in der Szene wo ihr erstmals die Weitläufigkeit des ganzen erahnen könnt und passend dazu hallende Horn-Klänge in der Ferne erklingen, es passt einfach...

was noch zu beachten ist...
Das Spiel ist ziemlich mutig und bricht mit einigen Game Design Best Practices. Beispielsweise gibt es Situationen, in welchen ihr euch in kompletter Dunkelheit befindet und mit wirklich wenigen Lichtquellen auskommen müsst. Dann widerum gibt es auch Stellen in welchem ihr vom Licht geradezu geblendet werdet oder es wiederholt aufblitzt, evtl. also auch nicht ganz für Epileptiker geeignet. Dann widerum gibt es einige Rätsel und Fallen die eventuell frustrierend sein können, ebenso wie einige Geschlichkeitspassagen in welchen ihr mit Zeitdruck einige Hindernisse überwinden müsst und euch evtl. ziemlich oft am selben Checkpoint wiederfindet. Auch gibt es eine etwas gewöhnungsbedürftige Atmungs-Mechanik (beim Sprinten müsst ihr manuell atmen um den Sprint durchzuhalten). Wer sich davon nicht abschrecken lässt, bekommt aber von den Erkundungspassagen, ein paar mutigen Gameplayelementen und den künstlerischen Akzenten etwas geboten. Erwartet aber keine Gameplaygranate, der Fokus des Spiels liegt definitiv auf Exploration.

Hier mal zwei Trailer:





Auf Steam ist das ganze für ca. 13€ erhältlich. Wer zu faul ist zum selber zocken, kann sich auch dieses nette Lets Play anschauen (bzw. reinschauen ob es was für euch ist^^):
Spoiler:

(falls einer von euch nun Lust bekommen hat und selbst eins erstellen will, kann ich das hier auch einbetten, würde mich interessieren wie das noch andere erleben )