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Quo vadis Deutschland?

Eine Diskussion über Quo vadis Deutschland? im Forum OFF-Topic. Teil des Off Topic-Bereichs; Zitat von Golan Die einzige Frage und Folgerung deiner Abhandlung ist, ob bei steigenden Arbeitskosten die Produktion sinkt - das ...

  1. #41
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    Avatar von MrYuRi
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    Zitat Zitat von Golan Beitrag anzeigen
    Die einzige Frage und Folgerung deiner Abhandlung ist, ob bei steigenden Arbeitskosten die Produktion sinkt - das ist rein durch erwähnte Produktionsfunktion gegeben. Wenn du die anfänglich ohnehin so definierst, ist die Rechnung eine Nullaussage.
    Die eigentliche Frage ist doch: Warum definierst du/man die Produktionsfunktion überhaupt so? Darum geht doch die Kontroverse hier, sowie überhaupt ihre Gewichtung.
    Naja, dass mit steigenden Löhnen der Output zurück geht ist ja nur eine Wirkung. Die Ursache dafür ist, dass weniger Arbeitskräfte beschäftigt werden. Bezüglich des Ertragsgesetzes schlage ich den Wikipedia-Artikel vor, wo insbesondere unten anhand von Beispielen dieses erläutert wird: http://de.wikipedia.org/wiki/Ertragsgesetz

    Was an dieser Stelle auch völlig ausgeblendet wird, ist die Möglichkeit der Faktorsubstitution. Wenn menschliche Arbeit teurer wird, ist es für ein Unternehmen eventuell sinnvoller, stattdessen eine Maschine aufzustellen. Und wenn diese dann besteuert wird, aber in China oder sonstwo auf der Welt günstiger betrieben werden kann, stellt man sie halt dorthin. Und der technische Fortschritt ist ein Faktum, welcher den Arbeitsmarkt auch in Zukunft entscheidend verändern wird. Geringqualifizierte Arbeit wird immer weiter ersetzt werden durch Kapital.


    Zitat Zitat von Golan
    Der Mindestlohn schlägt sich aber nicht auf die gesamte Wirtschaft nieder - Vielverdienerbereiche werden konstant bleiben und eben jene Inflation nicht erfahren (hier schlägt auch wieder der Spielraum der Vielverdiener zu - die Preissteigerung bei ihnen wird verkraftbar sein). Es kommt zu einer Verschiebung des Kapitals hin zum Niedriglohnsektor.
    Wir sprechen hier von einem flächendeckenden Mindestlohn. Nicht von einem partiellen Mindestlohn. Partiell kann ein Mindestlohn durchaus auch mal eine positive Auswirkung haben (s. das Beispiel von baracuda).

    Zitat Zitat von Golan
    Ach komm, Produktionsentscheidungen auch über rein finanzielle Wertschöpfung hinaus ist doch keine Fantasie - Behauptung der Stellung auf dem Markt, Absicherung gegen Marktschwankungen, manche Leute haben angeblich ein soziales Gewissen, Spielräume, et cetera pp.
    Naja, ein Unternehmen ist kein Wohlfartsverein. Ich denke schon, dass die Modellannahme der Gewinnmaximierung plausibel und allgemein verwendbar ist

  2. #42
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    Avatar von baracuda
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    Zitat Zitat von MrYuRi Beitrag anzeigen
    Was an dieser Stelle auch völlig ausgeblendet wird, ist die Möglichkeit der Faktorsubstitution. Wenn menschliche Arbeit teurer wird, ist es für ein Unternehmen eventuell sinnvoller, stattdessen eine Maschine aufzustellen. Und wenn diese dann besteuert wird, aber in China oder sonstwo auf der Welt günstiger betrieben werden kann, stellt man sie halt dorthin. Und der technische Fortschritt ist ein Faktum, welcher den Arbeitsmarkt auch in Zukunft entscheidend verändern wird. Geringqualifizierte Arbeit wird immer weiter ersetzt werden durch Kapital.
    Deswegen ist es auch enorm sinnvoll, dass eine zukünftige Gerneration nicht direkt in den Abfluss geworfen wird, weil die Bildung unbezahlbar ist.
    In meinen Augen geht deswegen eine massive Förderung von Schulen und Bildungsmöglichkeiten mit dazu.
    Es wird immer Menschen brauchen die Qualität sicher stellen und Maschinen warten können. Keine Maschine kann diesen Faktor ersetzen und wird es auch in naher Zukunft nicht können. Sicher können Maschinen einpacken und ein Auto komplett zusammen bauen, aber sie kann nicht kontrollieren ob das Auto irgendwo schlecht verschweißt wurde, das Programm einen Fehler hat, oder der Arm des Roboters beim Schweißen stecken geblieben ist, geschweige denn improvisieren um solche Fehler zu beseitigen, wie es Mechaniker tun.
    Um dieses Abwandern der Unternehmen zu verhindern, muss man eben mit Qualifikation der Generationen den Standort Deutschland unverzichtbar für Qualitativ hochwertige Arbeit und Produkte machen. Es rechnet sich dabei einen guten Mechaniker zu haben, der dir die Maschine tiptop in Schuss hält, oder ob die Maschine bei 24h Laufzeit 6 Stunden Ausfall hat.

  3. #43
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    Avatar von Golan
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    Zitat Zitat von MrYuRi Beitrag anzeigen
    Naja, dass mit steigenden Löhnen der Output zurück geht ist ja nur eine Wirkung. Die Ursache dafür ist, dass weniger Arbeitskräfte beschäftigt werden. Bezüglich des Ertragsgesetzes schlage ich den Wikipedia-Artikel vor, wo insbesondere unten anhand von Beispielen dieses erläutert wird: http://de.wikipedia.org/wiki/Ertragsgesetz
    Siehe hierzu den Edit vom vorherigen Post:
    "Vor allem ist die Änderung einer ertragsgesetzlichen Produktionsfunktion, wie ich sie als Beschreibung finden konnte (als spezielles Polynom dritten Grades, sprich S-Kurve), um das Maximum ohnehin gering, sprich es gibt einen Spielraum, andere Faktoren zu favorisieren."
    Ferner ist es nach deiner eigenen Einschätzung ja nicht so, dass höherer Lohn zwangsläufig eine Produktionsverringerung mit sich führt:
    Zitat Zitat von MrYuRi Beitrag anzeigen
    Nichtsdestotrotz hast du in einem Punkt recht: Würde ein höherer Lohn dazu führen, dass die Mitarbeiter produktiver sind, könnte ein Mindestlohn keine schädliche Auswirkung haben. Das ist auch ein Argument, das ich - ganz dialektisch - auch in vergangenen Diskussionen immer wieder mit habe einfließen lassen.
    Außerdem... die Funktion wird immer wieder für den Einsatz von Düngemittel benutzt - ist das wirklich für Arbeitskräfte sinnvoll?


    Zitat Zitat von MrYuRi Beitrag anzeigen
    Was an dieser Stelle auch völlig ausgeblendet wird, ist die Möglichkeit der Faktorsubstitution. Wenn menschliche Arbeit teurer wird, ist es für ein Unternehmen eventuell sinnvoller, stattdessen eine Maschine aufzustellen. Und wenn diese dann besteuert wird, aber in China oder sonstwo auf der Welt günstiger betrieben werden kann, stellt man sie halt dorthin. Und der technische Fortschritt ist ein Faktum, welcher den Arbeitsmarkt auch in Zukunft entscheidend verändern wird. Geringqualifizierte Arbeit wird immer weiter ersetzt werden durch Kapital.
    Zwangsläufig wird unausgebildete Arbeit in Zukunft durch Maschinen ersetzt werden - die Bezahlung von Hungerlöhnen ist allerdings nicht auf solche Arbeiten begrenzt.

    Zitat Zitat von MrYuRi Beitrag anzeigen
    Wir sprechen hier von einem flächendeckenden Mindestlohn. Nicht von einem partiellen Mindestlohn. Partiell kann ein Mindestlohn durchaus auch mal eine positive Auswirkung haben (s. das Beispiel von baracuda).
    Der Mindestlohn wird automatisch nicht überall greifen. Es gibt tatsächlich auch heute schon Leute, die mehr als 10€/h verdienen.

    Zitat Zitat von MrYuRi Beitrag anzeigen
    Naja, ein Unternehmen ist kein Wohlfartsverein. Ich denke schon, dass die Modellannahme der Gewinnmaximierung plausibel und allgemein verwendbar ist
    Sag doch einfach, welche meiner Punkte du für nicht vertretbar/anwendbar hältst. Ansonsten: nein, die Modellannahme der Gewinnmaximierung ist unzulänglich, da sie die Feinheiten, welche in der Nähe der Gewinnmaximierung greifen, außer acht lässt (siehe hierzu auch nochmal den Edit zum ersten Punkt).
    Geändert von Golan (05.06.2011 um 22:15 Uhr)

  4. #44
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    Avatar von MrYuRi
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    Zitat Zitat von baracuda Beitrag anzeigen
    Deswegen ist es auch enorm sinnvoll, dass eine zukünftige Gerneration nicht direkt in den Abfluss geworfen wird, weil die Bildung unbezahlbar ist.
    In meinen Augen geht deswegen eine massive Förderung von Schulen und Bildungsmöglichkeiten mit dazu.
    Es wird immer Menschen brauchen die Qualität sicher stellen und Maschinen warten können. Keine Maschine kann diesen Faktor ersetzen und wird es auch in naher Zukunft nicht können. Sicher können Maschinen einpacken und ein Auto komplett zusammen bauen, aber sie kann nicht kontrollieren ob das Auto irgendwo schlecht verschweißt wurde, das Programm einen Fehler hat, oder der Arm des Roboters beim Schweißen stecken geblieben ist, geschweige denn improvisieren um solche Fehler zu beseitigen, wie es Mechaniker tun.
    Um dieses Abwandern der Unternehmen zu verhindern, muss man eben mit Qualifikation der Generationen den Standort Deutschland unverzichtbar für Qualitativ hochwertige Arbeit und Produkte machen. Es rechnet sich dabei einen guten Mechaniker zu haben, der dir die Maschine tiptop in Schuss hält, oder ob die Maschine bei 24h Laufzeit 6 Stunden Ausfall hat.
    Absolutes

    Und das ist für mich auch nicht nur eine rein ökonomische Frage, sondern auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.

    edit: Gerade erst gesehen, dass Golan noch etwas geschrieben hat.

    Zitat Zitat von Golan
    Siehe hierzu den Edit vom vorherigen Post:
    "Vor allem ist die Änderung einer ertragsgesetzlichen Produktionsfunktion, wie ich sie als Beschreibung finden konnte (als spezielles Polynom dritten Grades, sprich S-Kurve), um das Maximum ohnehin gering, sprich es gibt einen Spielraum, andere Faktoren zu favorisieren."
    Die Unternehmen wollen aber ihren Gewinn maximieren und nicht ihren Output. Und das Gewinnmaximum ist gegeben, wenn die Grenzerlöse E' den Grenzkosten K' entsprechen. Oder halt in unserem Fall, bei partieller Faktorvariation, wenn die Grenzwertproduktivität der Arbeit (= Preis * Grenzproduktivität der Arbeit = p * Xa') dem Grenzlohn entspricht.

    Zitat Zitat von Golan
    Ferner ist es nach deiner eigenen Einschätzung ja nicht so, dass höherer Lohn zwangsläufig eine Produktionsverringerung mit sich führt:
    Ja, kann ja sein, dass in einem oder zwei von hundert Fällen die Unternehmer so bescheuert waren, nicht zu erkennen, dass sich eine Lohnerhöhung auch für sie positiv auswirken könnte. Grundsätzlich darf man hier aber wohl eher davon ausgehen, dass die Unternehmer ihr Geschäft besser verstehen als die Politik ^^.

    Zitat Zitat von Golan
    Außerdem... die Funktion wird immer wieder für den Einsatz von Düngemittel benutzt - ist das wirklich für Arbeitskräfte sinnvoll?
    Ja. Deswegen auch der von mir angeführte Spruch: "Zuviele Köche verderben den Brei."
    Zitat Zitat von Wikipedia
    Am Beispiel der industriellen Produktion oder in der Verwaltung lässt sich das Ertragsgesetz auf den gesteigerten Einsatz von Personal bei sonst gleich bleibenden Rahmenbedingungen ebenfalls beobachten: Je größer die Anzahl von Mitarbeitern ist, desto größer ist der Kommunikations- und Abstimmungsbedarf. Es können jedoch Situationen erreicht werden, wo sich Mitarbeiter gegenseitig nur noch im Weg stehen oder sich demotivieren. Mehr bewegt wird allein durch die Personalvermehrung also nicht. Ein Staat, der seine Wirtschaft zentralistisch steuert und Arbeitnehmer den Produktionsanlagen zuteilt, um so das Problem der Arbeitslosigkeit zu vermeiden, kann seine Produktivität auf diese Art kaum steigern.
    Zitat Zitat von Golan
    Zwangsläufig wird unausgebildete Arbeit in Zukunft durch Maschinen ersetzt werden - die Bezahlung von Hungerlöhnen ist allerdings nicht auf solche Arbeiten begrenzt.
    Grundsätzlich kann man sagen: Höhere Qualifikation = höhere Produktivität = höherer Lohn. Ansonsten sind wir hier an einem sehr spannenden Punkt in der Diskussion angelangt. Kann durchaus sein, dass wir irgendwann mal soweit sind, dass für Menschen tatsächlich nicht mehr genug Arbeit vorhanden ist. Deswegen habe ich ja auch das Bedingungslose Grundeinkommen mit ins Spiel gebracht . Momentan ist dieser Zustand aber nicht gegeben, im Gegenteil: Arbeitsplätze sind vorhanden, nur dummerweise entsprechen die Anforderungen viel zu häufig nicht den Qualifikationen der Arbeitnehmer / Arbeitslosen und es wird der Ruf nach ausländischen Fachkräften laut.

    Zitat Zitat von Golan
    Der Mindestlohn wird automatisch nicht überall greifen. Es gibt tatsächlich auch heute schon Leute, die mehr als 10€/h verdienen.
    Zunächst ein mal: Die Kaufkraftheorie kannst du in die Tonne treten. Die findet in der Ökonomie fast keine Beachtung mehr, viele Ökonomen vertreten sogar die Auffassung, sie sei wiederlegt.
    Ansonsten, und das habe ich ja auch im vorherigen Verlauf schon geschrieben: Der Mindestlohn doktert nur an den Symptomen von unerwünscht niedrigen Löhnen herum, nicht aber an den Ursachen. Das sollte dir denke ich ja auch während des bisherigen Diskussionsverlaufes klar geworden sein. Vielen Menschen, die heute eine Familie und ein geringes Einkommen haben, würde auch ein Mindestlohn von 12 EUR nicht wirklich helfen. Wie hoch sollen wir den denn ansetzen?

    Anstatt Arbeitsplätze zu vernichten und Diskussionen zu führen, die den betroffenen Menschen kaum etwas bringen, sollte man sich lieber mit den Ursachen beschäftigen. Und da kann ich baracuda nur absolut beifplichten: Bildung, Bildung und nochmals Bildung. Und für die Menschen, bei denen das vielleicht zu spät kommt, würde ich für ein Kombi-Lohn-Modell plädieren. Es ist besser, Arbeit zu finanzieren, als Arbeitslosigkeit.

    Zitat Zitat von Golan
    Sag doch einfach, welche meiner Punkte du für nicht vertretbar/anwendbar hältst. Ansonsten: nein, die Modellannahme der Gewinnmaximierung ist unzulänglich, da sie die Feinheiten, welche in der Nähe der Gewinnmaximierung greifen, außer acht lässt (siehe hierzu auch nochmal den Edit zum ersten Punkt).
    Naja, sagen wir es mal so: Für viele Unternehmen könnte ein Mindestlohn ein ziemlich großes Problem darstellen im Hinblick auf die von dir angeführten Punkte "Behauptung der Stellung auf dem Markt" oder "Absicherung gegen Marktschwankunge". Nichtmal nur dann, wenn ich an den internationalen Wettbewerb denke, der ja nur einer von vielen Faktoren ist, der bei einem flächendeckenden Mindestlohn, welcher alle Branchen gleichermaßen betrifft, einfach mal ausgeblendet wird (technischer Fortschritt wäre noch ein anderer).

    Ansonsten: Ja, es gibt durchaus Kritik an der marginalistischen Preistheorie. Die mit Hilfe der sogenannten Marginalgrößen ("Grenzkosten", "Grenznutzen" usw.) abgeleiteten Optimierungsregeln werden häufig mit dem Hinweis drauf kritisiert, dass diese in der Praxis gar nicht quantifizierbar seien. Also dass dieses Vorgehen für die Praxis wertlos sei. Allerdings wird hierbei verkannt, dass überhaupt nicht der Anspruch erhoben wird, auf diese Art und Weise in der Praxis zu operieren. Die Marginalgrößen erleichtern einfach die Modellanalyse und ermöglichen es, immerhin grundlegende Handlungsempfehlungen und Leitlinien abzuleiten. Und sie lassen sich auch durchaus realitätsnäher mit Hilfe von Verfahren der Aufschlagskalkulation (mark-up-pricing) bestätigen.
    Geändert von MrYuRi (06.06.2011 um 00:02 Uhr)

  5. #45
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    Zitat Zitat von baracuda Beitrag anzeigen
    [...]. Es rechnet sich dabei einen guten Mechaniker zu haben, der dir die Maschine tiptop in Schuss hält, oder ob die Maschine bei 24h Laufzeit 6 Stunden Ausfall hat.
    Würde eine Firma sparen wenn sie 2Maschinene mit 50% Ausschuß aufzustellen anstatt einer 100% Maschine, würde sie es tun. Es kommt am Ende immer wieder auf Preise zurück.

    Aber Grundsätzlich ist es unbegrenzt wünschenswert, in die wichtigste und vorallem Geographisch unabhängige Ressource (Wissen, Ausbildung) zu Investieren! Dies steht denke ich nicht zur Debatte.

  6. #46
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    Tut sie aber nicht, 2 Maschinen haben unabhängig vom produzierten Material Energie und Materialkosten, sowie Anschaffung und Abschreibung.
    Eine Firma, die einem guten Mechaniker einen gute Stundenlohn zahlt, spart garantiert, wenn sie dafür nur eine Maschine aufstellt, statt zwei.
    Ebenso ist es billiger und besser, einen Haustechniker zu beschäftigen, als bei Ausfällen einen Aussendienst bestellen zu müssen, welcher zwar meist nur einen einmaligen Preis verlangt, aber auch nicht sofort zur Verfügung steht und der Produktionsausfall entsprechend Kosten verursacht, die mit berücksichtigt werden müssen.

  7. #47
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    Zitat Zitat von MrYuRi Beitrag anzeigen
    Die Unternehmen wollen aber ihren Gewinn maximieren und nicht ihren Output. Und das Gewinnmaximum ist gegeben, wenn die Grenzerlöse E' den Grenzkosten K' entsprechen. Oder halt in unserem Fall, bei partieller Faktorvariation, wenn die Grenzwertproduktivität der Arbeit (= Preis * Grenzproduktivität der Arbeit = p * Xa') dem Grenzlohn entspricht.
    Bestreite ich doch garnicht. oO
    Die Funktionen sind jedoch in ihren Extrema relativ stabil (heißt eine kleine Änderung der Variablen hat geringen Effekt auf das Endergebnis) weshalb es wenig Unterschied zwischen "Maximum" und "Maximum plus/minus ein bisschen" gibt. Befindet sich der Lohn auf Hälfte des maximalen Grenzertrag ergibt eine Varianz des Lohns von immerhin 10% gerade einmal eine Arbeitsreduktion um 3%. Selbst knapp an der Grenze von Lohn~Grenzertrag entspricht die Arbeitsreduktion etwa der Lohnsteigerung.
    Da alle Variablen des Systems empirisch sind, dürfte jede schon mal mit mindestens ~10% zu Buche schlagen, sprich Variationen dieser Größenordnung sind ohnehin zu erwarten. Eine rigide Maximierung, die diesen Spielraum ausschließt, erscheint unrealistisch.

    Zitat Zitat von MrYuRi Beitrag anzeigen
    Ja, kann ja sein, dass in einem oder zwei von hundert Fällen die Unternehmer so bescheuert waren, nicht zu erkennen, dass sich eine Lohnerhöhung auch für sie positiv auswirken könnte. Grundsätzlich darf man hier aber wohl eher davon ausgehen, dass die Unternehmer ihr Geschäft besser verstehen als die Politik ^^.
    Beherrschen, vielleicht (sonst wären sie ja wohl Pleite), aber verstehen? Ich bitte dich. Die Effekte der sich öffnenden Armutsschere, der zunehmenden Arbeitsunsicherheit, die übersteigen das Betrachtungs- und Einflussgebiet jedes einzelnen Unternehmers bei weitem, dürften sich in Zukunft aber bedeutend auf Produktivität oder schlicht Stabilität des Wirtschaftsstandorts Deutschland auswirken. Nach mir die Sintflut...

    Zitat Zitat von MrYuRi Beitrag anzeigen
    Ja. Deswegen auch der von mir angeführte Spruch: "Zuviele Köche verderben den Brei."
    Ah, danke für die Info!

    Zitat Zitat von MrYuRi Beitrag anzeigen
    Grundsätzlich kann man sagen: Höhere Qualifikation = höhere Produktivität = höherer Lohn. Ansonsten sind wir hier an einem sehr spannenden Punkt in der Diskussion angelangt. Kann durchaus sein, dass wir irgendwann mal soweit sind, dass für Menschen tatsächlich nicht mehr genug Arbeit vorhanden ist. Deswegen habe ich ja auch das Bedingungslose Grundeinkommen mit ins Spiel gebracht . Momentan ist dieser Zustand aber nicht gegeben, im Gegenteil: Arbeitsplätze sind vorhanden, nur dummerweise entsprechen die Anforderungen viel zu häufig nicht den Qualifikationen der Arbeitnehmer / Arbeitslosen und es wird der Ruf nach ausländischen Fachkräften laut.
    Dass Qualifikation und Lohn direkt miteinander korreliert sind widerspricht sowohl den von dir bereits getroffenen Aussagen/Annahmen als auch meinem eigenen Verständnis - letztlich zählt nur, wie viele dieser qualifizierten Leute es gibt. Habe ich 3000 Akademiker zur Auswahl aber nur einen Hausmeister, dann zahle ich dem Hausmeister mehr. Meine persönliche beste Jobsicherheit sind nicht meine eigenen Qualifikationen, sondern die Inkompetenz des Gesocks, das nachkommt.
    Dass in bestimmten Bereichen nicht genug Arbeit vorhanden ist, ist heute schlicht ein Fakt. Natürlich mag das in der Summe nicht so sein, das bringt jedoch im Einzelnen leider auch keinem einen Job. Es ist jetzt dringend an der Zeit, für eine Lösung zu sorgen, egal ob das jetzt Mindestlohn, Grundeinkommen, oder Bevölkerungsminimierung ist.

    Zitat Zitat von MrYuRi Beitrag anzeigen
    Zunächst ein mal: Die Kaufkraftheorie kannst du in die Tonne treten. Die findet in der Ökonomie fast keine Beachtung mehr, viele Ökonomen vertreten sogar die Auffassung, sie sei wiederlegt.
    Weder habe ich mich direkt auf die Kaufkrafttheorie noch, soweit ich das auf die schnelle nachprüfen konnte, indirekt auf ihren Sinn/Inhalt bezogen.
    Zitat Zitat von MrYuRi Beitrag anzeigen
    Ansonsten, und das habe ich ja auch im vorherigen Verlauf schon geschrieben: Der Mindestlohn doktert nur an den Symptomen von unerwünscht niedrigen Löhnen herum, nicht aber an den Ursachen. Das sollte dir denke ich ja auch während des bisherigen Diskussionsverlaufes klar geworden sein. Vielen Menschen, die heute eine Familie und ein geringes Einkommen haben, würde auch ein Mindestlohn von 12 EUR nicht wirklich helfen. Wie hoch sollen wir den denn ansetzen?
    Erwähnte Symptome haben wir aber jetzt, nicht in ein, zwei Generationen wenn Systemlösungen greifen. Bis dahin ist ein herumdoktern gar keine so schlechte Idee, falls wir überhaupt die Früchte unserer Langzeitlösung mal ernten wollen.
    Die Frage nach der Höhe einer Maßnahme wie dem Mindestlohn kann man auch genausogut auf alle anderen Lösungen anwenden. Kombilohn, Grundeinkommen, dort liegt die gleiche Frage.

    Zitat Zitat von MrYuRi Beitrag anzeigen
    Anstatt Arbeitsplätze zu vernichten und Diskussionen zu führen, die den betroffenen Menschen kaum etwas bringen, sollte man sich lieber mit den Ursachen beschäftigen. Und da kann ich baracuda nur absolut beifplichten: Bildung, Bildung und nochmals Bildung. Und für die Menschen, bei denen das vielleicht zu spät kommt, würde ich für ein Kombi-Lohn-Modell plädieren. Es ist besser, Arbeit zu finanzieren, als Arbeitslosigkeit.
    Jaja, Subventionen sind Böse, der Staat soll sich raushalten, haben sowieso keine Ahnung, aber zahlt uns doch bitte unsere Arbeiter aus.
    Der Kombi-Lohn leidet unter vielen Problemen, die auch ein Mindestlohn mit sich bringt. Beide haben gravierende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und können nur kurzfristig eingesetzt werden. Die Arbeit, die durch den Kombi-Lohn geschaffen wird, ist nicht die systemtragende Arbeit eines Normalbeschäftigten - hier wird nicht Arbeit finanziert, sondern Arbeitslosigkeit anders angemalt und die Kuchenstücke weitergereicht.
    Recht hast du zweifelsohne damit, dass die Unternehmen selbst, in der aktuellen Situation, nicht im Stande sind, das Arbeitsproblem alleine zu lösen. Daher ist eine Staatsbeteiligung wohl unausweichlich - den Gürtel enger zu schnallen kann man den Leuten einfach nur so oft verkaufen, beim dritten mal kommen dann Fackeln und Mob. Die Komplettabwälzung des Problems auf den Staat ist jedoch keine Lösung; dafür ist zum einen kein Geld da, zum anderen wurde der Staat, sprich wir alle, einfach zu oft ausgenutzt, im in schweren Zeiten mal ein wenig mitzuhefen und dann, ach je, es läuft so gut, wir zahlen morgen, versprochen.
    Nicht nur Banken oder Mega-Unternehmen sind systemrelevant, der Staat selbst ist auch systemrelevant. Früher oder später wird sich die Wirtschaft, als ganzes, Gedanken machen müssen, wie sie ihren Spielplatz renoviert.

    Zitat Zitat von MrYuRi Beitrag anzeigen
    Naja, sagen wir es mal so: Für viele Unternehmen könnte ein Mindestlohn ein ziemlich großes Problem darstellen im Hinblick auf die von dir angeführten Punkte "Behauptung der Stellung auf dem Markt" oder "Absicherung gegen Marktschwankunge". Nichtmal nur dann, wenn ich an den internationalen Wettbewerb denke, der ja nur einer von vielen Faktoren ist, der bei einem flächendeckenden Mindestlohn, welcher alle Branchen gleichermaßen betrifft, einfach mal ausgeblendet wird (technischer Fortschritt wäre noch ein anderer).
    Hättest du vielleicht auf die schnelle eine Statistik zur Exportverteilung nach Unternehmensgewinnen? Nach meiner Einschätzung machen die meisten Exporteure nennenswerten Gewinn, sprich der globale Wettbewerb lässt noch genug Spielraum, ein paar Sexspritztouren als Direktauszahlung an Mitarbeiter umzuschichten. Leider finde ich nichts, um diese Einschätzung zu widerlegen oder untermauern.

    Zitat Zitat von MrYuRi Beitrag anzeigen
    Ansonsten: Ja, es gibt durchaus Kritik an der marginalistischen Preistheorie. Die mit Hilfe der sogenannten Marginalgrößen ("Grenzkosten", "Grenznutzen" usw.) abgeleiteten Optimierungsregeln werden häufig mit dem Hinweis drauf kritisiert, dass diese in der Praxis gar nicht quantifizierbar seien. Also dass dieses Vorgehen für die Praxis wertlos sei. Allerdings wird hierbei verkannt, dass überhaupt nicht der Anspruch erhoben wird, auf diese Art und Weise in der Praxis zu operieren. Die Marginalgrößen erleichtern einfach die Modellanalyse und ermöglichen es, immerhin grundlegende Handlungsempfehlungen und Leitlinien abzuleiten. Und sie lassen sich auch durchaus realitätsnäher mit Hilfe von Verfahren der Aufschlagskalkulation (mark-up-pricing) bestätigen.
    Aus dem Grund frag ich dich jetzt seit einem gefühlten halben Dutzend Beiträgen nach Fehler- und Spielraumabschätzungen (siehe auch oben). Der Markt ist bekannterweise weder ideal noch statisch, sodass eine statische Beschreibung ohne Spielräume zwangsläufig unzulänglich sein wird. Es mag eine Handlungsempfehlung für den Idealfall resultieren, diese ist aber nicht zwangsläufig auf den Realfall zu übertragen, sodass sie ohne Betrachtung der Varianzen (sprich Spielräume) nutzlos ist.
    "Das müsstest du machen wenn alle machen würden was sie machen müssten" ist kein sinnvoller Grundsatz für das Navigieren durch ein dynamisches System, vorallem wenn es durch Menschen und Unbekannte beeinflusst wird. Das geht gut, wenn von kleinen Abweichungen ausgeht, aber das Wirtschaftssystem unterliegt heftigsten Schwankungen und Unbekannten. Oder wieviel Billionen sind in der letzten Wirtschaftskrise verpufft?
    Geändert von Golan (07.06.2011 um 14:09 Uhr)

  8. #48
    Stabsfeldwebel
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    golan: genau mit den gleichen ansichten habe ich yuri seinerzeit auch schon konfrontiert. ich warte auch noch auf antworten.
    folgendes schriftstück ist zwar von den linken, allerdings dienen bei den grafiken des öfteren so nahmhafte quellen wie eurostat oder der global wage report als quellen. wer also keinen bock auf kommunismus und antisemitismus hat, kann sich ja zumindest im kontext dieses threads die grafiken reinziehen und sich seine eigenen gedanken machen http://www.michael-schlecht-mdb.de/w...-2011-Endf.pdf
    stichworte: leistungsbilanz, lohndumping und yuris geliebte lohnstückkosten im europäischen vergleich.
    www.die-philosoffen.com
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