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Homöopathie

Eine Diskussion über Homöopathie im Forum OFF-Topic. Teil des Off Topic-Bereichs; Meine Chefin schwört bei der Behandlung von Tieren und auch sonstigen Leiden bei sich selbst auf den Einsatz von Homöopathie. ...

  1. #1
    Ehrenmember
    Avatar von FLoorfiLLa
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    Homöopathie

    Meine Chefin schwört bei der Behandlung von Tieren und auch sonstigen Leiden bei sich selbst auf den Einsatz von Homöopathie.
    Ich stand dem schon immer etwas skeptisch gegenüber, hab ich aber eigentlich auch nie weiter damit beschäftigt. Hatte bei den Behandlungen aber nie jemals den Eindruck, dass es irgendetwas gebracht hätte.
    Jetzt hat sie mir einige Broschüren zum Thema in die Hand gedrückt in welchen die Wirksamkeitsbereiche bestimmter homöopathischer Mittel beschrieben werden.

    Ich hab mir nach dem ganzen mal zur Aufgabe gemacht, mich etwas mehr damit zu beschäftigen. Wikipedia hat zu dem Thema glücklicherweise einen sehr guten und ausführlichen Artikel mit sehr guten Quellen.
    -> http://de.wikipedia.org/wiki/Homöopathie

    Ich werde jetzt nicht alles erfahrene erläutern, das kann man selbst nachlesen, aber einige Dinge find ich doch nochmal besonders erwähnenswert.


    Zum einen die Grundlage der Homöopathie, welche bei einem gewissen Samuel Hahnemann liegt, welche behauptetee mit Chinarinde ein Mittel gegen Malaria gefunden zu haben. Die Grundlage des ganzen, vermutlich aber nur zurückzuführen auf eine allergische Reaktion.
    Und auf sowas baut eine mittlerweile schon ziemlich weit anerkannte Industrie auf. Muss man sich mal vor Augen führen.


    Ein weiterer sehr interessanter Punkt ist das Potenzieren. Bei der Homöopathie werden Mittel in verschiedenen Potenzen verabreicht. Je höher die Potenz, desto verdünnter ist der Wirkstoff und (Achtung!) desto wirkungsvoller ist er.

    Bsp: Die Potenz D1 bedeutet eine Verdünnung von etwa 1:10, hat eine sehr geringe Wirkung.
    Die Potenz D30 entspricht einer Verdünnung von 1 : 1 Quintillion, umgerechnet etwa
    ein Tropen : dem 50-fachen Volumen der Erde
    diese soll aber eine weitaus höhere Wirkung als die D1 Potenz haben.

    Ab einer Potenz von D23 wird die sogenannte Avogardo- oder Loschmidt-Konstante überschritten. Das heißt, dass in der Lösung rein rechnerisch kein einziges Molekül der Ursubstanz mehr vorhanden ist.

    Es gibt sogar Potenzen wie D78, welche dem Verhältnis von einem Wassermolekül in der Masse des Universums (!) entspricht.
    Potenzen wie D1000 braucht man da denke ich nicht weiter ausführen. Aber man beachte, dass diese um ein vielfaches wirkungsvoller ist als zB. D30 oder gar D1.

    Grund des ganzen soll die besondere rituelle Zubereitung der Wirkstoffe sein. Ich zitiere mal:
    Zitat Zitat von http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/special/363/107256/10/
    Für eine D1-Verdünnung wird ein Teil Ursubstanz mit neun Teilen eines Gemisches aus 2/3 Mineralpulver und 1/3 Milchzucker versetzt und in einem Mörser 6-7 Minuten lang verrieben, dann 3-4 Minuten gescharrt, erneut 6-7 Minuten verrieben und nocheinmal 3-4 Minuten gescharrt. Für eine D2-Verdünnung wird ein Teil dieses Gemisches abgenommen, mit neun Teilen Milchzucker versetzt und erneut in der beschriebenen Manier gerieben und gescharrt. Für eine D3-Verdünnung wird der D2-Schritt wiederholt.
    Aufgrund dieser Zubereitung mit scharren und reiben soll der Lösung Energie zugeführt, durch die dieser die "Information" der Ausgangssubstanz "eingeprägt" oder "aufgestempelt" wird.
    Aufbauen tut das auf der Annahme, dass Wasser Informationen speichern kann, was naturwissenschaftlich und physikalisch aber völlig an den Haaren herbei gezogen ist (interessant zu dem Thema -> http://www.pharmazeutische-zeitung.d...?id=319&type=0 ).

    Rein wissentschaftlich betrachtet müsste nach dieser Theorie so ein hoch potenzierter Wirkstoff einen so hohen Anteil an Fremdstoffen (welche immer und überall mit zum Lösungsmittel dazu gelangen) haben, das dieser fast tödlich wäre.


    Auch interessant ist, was so als Wirkstoff verwendet wird.
    Etwa 1700 verschiedene Rohmaterialien sind heute in Gebrauch - darunter gehäckselte Hoden eines jungen Stieres (Testes juvenis bovis), Bindehaut des Schweineauges (Mucosa oculi suis), zerdrückte Honigbienen (Apis mellifera) oder auch Schleim einer Coloradokröte (Bufo alvarius) -, verbindlich festgelegt wurden sie in der offiziellen Arzneimittelliste der Homöopathie, der sogenannten Materia Medica.
    Materialien wie "getrocknete Bettwanzen, "verdorbenes Rindfleisch" oder "Tränen einer Jungfrau", welche früher auch genutzt wurden, sind mittlerweile (wohl, um die Glaubhaftigkeit nicht völlig zu verlieren) aus der Liste gestrichen worden.


    Was vieleicht der Vollständigkeit halber noch erwähnt werden sollte:
    es gibt/gab weltweit über 500 unabhängige Studien, welche allesamt (welch ein Wunder) keine Wirksamkeit der Homoöpathie fetststellen konnten.
    Wenige Studien (von Homöopathie-Anhängern), welche eine Wirksamkeit nachweisen sollten, wurden entweder relativ schnell wieder zurück gezogen oder, aufgrund von an den Haaren herbei gezogenen Berechnungsmethoden, als nicht relevant abgestempelt.

    Trotz alle dem ist die Homöopathie heute offiziell als alternative Heilmethode anerkannt. Es gibt eine sehr lukrative Industrie und immer mehr Anhänger dieser "Wissenschaft".

    Die Homöopathie ist noch vor der Astrologie damit wohl die am weitesten verbreiteste und akzeptierte "Parawissenschaft".


    Schlimm ist im übrigen noch, dass es viele Fälle gibt, bei denen sehr schwer kranke Patienten mit homöopathischen Mittel behandelt wurden, in der Zeit aber auf lebensrettende anerkannte und nachweisbar wirkungsvolle Medikamente verzichtet wurde, für die es nachher zu spät war.


    Was habt ihr so für Erfahrungen mit der Homöopathie gemacht?
    Seid ihr vieleicht selber Verfechter dieser Praktiken?
    Mich würden da Stimmen von anwendenden Personen besonders interessieren.


    Ansonsten kann ich jedem das Lesen der Artikel nur ans Herz legen. Wirklich sehr interessant.
    Geändert von FLoorfiLLa (22.11.2008 um 10:07 Uhr)
    "Frettchen stinken nicht, sie sind geruchsoriginell."

  2. #2
    Duc de Rischelmääh
    Avatar von brainsheep
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    Ich glaube auch nicht das es hilft: eventuelle Erfolge kann man wohl dem Placebo-Effekt zuschreiben.
    Schon allein wenn man sich das Potenzieren anschaut. Stärker verdünnter Wirkstoff = bessere Wirkung?

    Ich hoffe nicht, dass ich jemals darauf angewiesen sein werde, auch wenn moderne Medikamente meißt eher nach dem Prinzip "chemische Keule" funktionieren
    Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur.
    Oscar Wilde

  3. #3
    Big & Tasty
    Avatar von baracuda
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    Quaaak chemische Keule, es gibt auch Medikamente die aus Heilpflanzen gewonnen wird, da is nichts chemisch dran im Gegenteil.
    Ich denke die Homäopathie verfolgt im Ansatz ganz gute Konzepte, z.B. ist ein Gift einer Schlange tötlich, man kann daraus aber mit speziellen Methoden ein Anti-Gift herstellen.
    Die praktische Umsetzung ist wie schon gesagt jedoch sehr fraglich.

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