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Die Maschnotschina und die praktische Anarchie

Eine Diskussion über Die Maschnotschina und die praktische Anarchie im Forum OFF-Topic. Teil des Off Topic-Bereichs; Habe gestern zufällig davon erfahren und finde das Thema äußerst interessant. Die Machnotschina, benannt nach dem anarchistischen Aktivisten Nestor Machno, ...

  1. #1
    Ще не вмерла Україна
    Avatar von Outsider
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    Die Machnotschina und die praktische Anarchie

    Habe gestern zufällig davon erfahren und finde das Thema äußerst interessant.

    Die Machnotschina, benannt nach dem anarchistischen Aktivisten Nestor Machno, war eine anarchistische Bewegung in der Ukraine, die nach Russlands Kapitulation im ersten Weltkrieg zunächst gegen die österreichisch-deutschen Besatzer, später gegen zaristische Verbände aus Russland, die sog. Weiße Armee, und am Ende sogar gegen die Rote Armee für Anarchie kämpften.

    Die Bewegung war aber keinesfalls ein kleiner Verband von Terroristen sondern bestand zum Höhepunkt etwa aus 30.000 freiwilligen Partisanen und kontrollierte ein Gebiet mit 7 Millionen Einwohnern.
    In diesem Gebiet wurden anarchistische Theorien erfolgreich umgesetzt wie es scheint und das ganze fand erst 1922 ein Ende, als die Bewegung von der Roten Armee brutal niedergeschlagen und dem Land der Sowjetsozialismus aufgezwungen wurde.

    Ich kopiere mal von Wikipedia:

    Die Machnotschina oder Machno-Bewegung (verschiedentlich auch "Machnotscina" oder "Machnowtschina" geschrieben) war eine anarchistische Bauern- und Partisanenbewegung, die zwischen 1917 und 1922 während des russischen Bürgerkrieges in der Ukraine aktiv war und über einige Jahre hinweg große Teile des Landes kontrollierte, wo sie vom Anarchismus propagierte Gesellschaftsstrukturen verwirklichte.

    Benannt war die Machnotschina nach ihrem bedeutendsten Anführer, dem von den Ideen Michail Bakunins und Peter Kropotkins beeinflussten Aktivisten Nestor Machno (* 1889, † 1935).

    Die Ukraine war nach dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk 1918 in Folge der kommunistischen russischen Oktoberrevolution an Deutschland und Österreich gefallen. Sie war der Preis, den die Bolschewiki unter Lenin und Trotzki für die Beendigung des 1. Weltkriegs in Russland zunächst bezahlen mussten.

    Nach seiner Befreiung aus der Haft in Russland war Nestor Machno 1917 in die Ukraine zurück gekehrt, wo er mit der Agitation unter den Bauern und Arbeitern begann, deren gewerkschaftliche Organisierung aufzubauen. Er gründete eine schnell anwachsende Partisanenarmee aus freiwilligen Kämpfern.

    Die Machnotschina vertrieb den von den Deutsch-Österreichern eingesetzten Hetman Skoropadsky, machte die bürgerlich-liberale Regierung unter Ssemjon Petljura bedeutungslos, enteignete die Großgrundbesitzer und Industriellen, und organisierte die von ihr kontrollierten Gebiete, den so genannten "Freien Rayon" nach anarchistischem Muster in einem Netzwerk selbstverwalteter Kommunen, in denen ein Rätesystem aufgebaut wurde.

    Die Kommunen und die verschiedenen Räte waren neben der Versorgung und Verteilung der Güter unter der Bevölkerung auch zuständig für alle anderen Politikbereiche wie etwa Transport, Industrie, Kriegführung oder Kultur. Unter anderem gehörte dazu auch der Aufbau von Schulen, eine Alphabetisierungskampagne und politische Aufklärung der Bauern und Partisanen.

    Für den gesamten freien Rayon abgestimmt wurden die Entscheidungen in einem Rayonkongress, einer Vollversammlung der Rätedelegierten, von dem während der Herrschaft der Machnotschina allerdings nur drei durchgeführt wurden.

    Viele Maßnahmen wurden in Folge der militärischen Bedrohung im russischen Bürgerkrieg verzögert und behindert - zuerst durch die "Weiße Armee" von zarentreuen Militärverbänden und schließlich auch durch die Rote Armee der Bolschewiki.

    In der Zeit ihrer größten Ausdehnung gehörten der Machnotschina bis zu 30.000 freiwillige Partisanen an, die ein Gebiet von etwa 10.000 km² mit 7 Millionen Einwohnern kontrollierten.

    Während der ersten Phase des russischen Bürgerkriegs war die Machnotschina zunächst mit der Roten Armee unter Trotzki verbündet. In einem aufreibenden und oft sehr grausamen Guerillakrieg bekämpften die Machnowzi, wie die Anhänger der Machnotschina genannt wurden, die gegen Zentralrussland vordringenden "Weißen Armeen" unter den Generalen Anton Iwanowitsch Denikin und Pjotr Nikolajewitsch Wrangel.

    Nach erfolgreicher Verteidigung der Errungenschaften der Machnotschina gegen die alten Mächte, die deutsch-österreichischen Besatzer und die "Weißen" Militärs - und nachdem die Bolschewiki ihre Macht in Russland stabilisiert hatten, wandten sich die Kommunisten zunehmend auch gegen die Machnotschina, so wie sie in Russland selbst zuvor anarchistische, in Lenins Augen kleinbürgerliche und konterrevolutionäre Kräfte, niedergeschlagen hatten. Sie oktroyierten das bolschewistische Sowjetsystem in der Ukraine zunächst schleichend, schließlich offen gewaltsam.

    Letztlich unterlagen die anarchistischen Partisanen der Machnotschina gegen die Rote Armee. Die letzten Gruppen der Machnotschina wurden bis zum Sommer 1922 von der Roten Armee besiegt und aufgerieben. Die Ukraine wurde als ukrainische Sowjetrepublik in die junge UdSSR einverleibt. Die Kommunistische Partei etablierte sich auch in der Ukraine zur beherrschenden Staatspartei bis zum Niedergang der UdSSR um 1990.

    Machno selbst konnte sich mit einigen Kämpfern am 28. August 1921 verwundet nach Rumänien absetzen. Er verbrachte sein weiteres Leben im Exil. Er starb, unbeachtet von der Öffentlichkeit, 1935 in einem Pariser Armenhospital.

    Als wichtigste Zeitschrift der Machnotschina, herausgegeben in Charkow gilt Put k'Swobode (Weg zur Freiheit).
    Ein absolut faszinierendes Thema!
    Hier der Link zum Wikipedia-Eintrag.
    Geändert von Outsider (18.12.2004 um 15:49 Uhr)

     ・sialdan:bautarstæinar:stanta:brauto:nær:nema:raisi:niþR: at:niþ ・

  2. #2
    Darth Plüsch !
    Avatar von mope7
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    joap, eines der großen erfolgreichen gescheiterten experimente

    in spanien lief es ähnlich und noch einen schritt weiter

    is wirklich interessant darüber nachzudenken was wäre, wenn sich die anderen staaten nicht mit waffengewalt eingemischt hätten Oo
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  3. #3
    Oberstleutnant
    Avatar von Touji
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    Zitat Zitat von mope7

    is wirklich interessant darüber nachzudenken was wäre, wenn sich die anderen staaten nicht mit waffengewalt eingemischt hätten Oo
    Das wird nie passieren, da die Gefahr der "Ansteckung" besteht und es immer Leute geben wird die dabei ihre Macht einbüßen würden und das nur äußerst ungern. Oo

    Das funktioniert ja noch nicht einmal bei so etwas banalem wie Software, wie soll das auf Dauer bei ganzen Ländern funktionieren? (Von Propaganda über Beeinflussung von Hardwareherstellern bis hin zu Vesuchen das Ganze auf politischem Wege zu kriminalisieren haben M$ & Co. eine Menge probiert die Open-Source-Bewegung aufzuhalten.)
    Geändert von Touji (19.12.2004 um 00:03 Uhr)
    "The social dynamics of the net are a direct consequence of the fact that nobody has yet developed a Remote Strangulation Protocol." - Larry Wall

  4. #4
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    Avatar von Psycho Joker
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    Zitat Zitat von Touji
    Das wird nie passieren, da die Gefahr der "Ansteckung" besteht und es immer Leute geben wird die dabei ihre Macht einbüßen würden und das nur äußerst ungern. Oo

    Das funktioniert ja noch nicht einmal bei so etwas banalem wie Software, wie soll das auf Dauer bei ganzen Ländern funktionieren? (Von Propaganda über Beeinflussung von Hardwareherstellern bis hin zu Vesuchen das Ganze auf politischem Wege zu kriminalisieren haben M$ & Co. eine Menge probiert die Open-Source-Bewegung aufzuhalten.)
    Das wird nie passieren? Es ist schon passiert. In der Schweiz gibt es seit über 600 Jahren eine direkte Demokratie (also um einiges besser als die große attische Demokratie), die musste zwar auch erst von den Habsburgern erkämpft werden, aber danach wurde die Schweiz ziemlich in Ruhe gelassen. Es geht halt immer darum, schlagkräftig genug zu sein, um die eigene Unabhängigkeit zu behaupten. Die Schweizer waren es.
    Oh, the devil will find work for idle hands to do...

  5. #5
    Oberstleutnant
    Avatar von Touji
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    Die Schweiz war auch aus geographischen Gründen schwer zu erobern, diese Vorteile hat auch nicht jedes Land.
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