Der Thread ist wohl verschwunden. Ich mach den einfach mal neu auf

Hier noch eine Kritik aus Kino.de die ich persönlich sehr gut finde, und dem vollkommen zustimme.

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Ernest Hemingway hat mal geschrieben: Die Welt ist so schön und wert, dass man um sie kämpft. Dem zweiten Teil stimme ich zu."
Morgan Freeman in "Sieben"

In einem (deutschen) Kinojahr, in welchem uns die Coenbrüder zeigen, dass das Schicksal jeden von uns immer und überall rücksichtslos und brutal kleinkriegen kann, in dem uns Paul Thomas Anderson in die Abgründe der Seelen zweier Fanatiker führt, die ohne moralische Skrupel - teilweise im wahrsten Sinne des Wortes - über Leichen gehen, in welchem uns Tim Burton eine von psychopathischen Wölfen bevölkerte Welt präsentiert, in der jeder vorgibt, jemand anderes zu sein - oft nur, um seinen Nächsten bei der nächstbesten Gelegenheit abzuschlachten, in dem uns Christopher Nolan die Instabilität einer humanostischen Gesellschaft um die Ohren haut, in der oftmals eine Extremsituation ausreicht, um das pure Chaos zu entfesseln - in diesem Kinojahr, das durchdrungen scheint von Misanthropie und Nihilismus, erlauben es sich ein irischer Straßenmusiker, eine schwangere Minderjährige und ein kleiner, einsamer Roboter namens Wall-E, wider besseren Wissens zu träumen.
Letzterem gelingt es dabei sogar, sich der Dunkelheit zu stellen, sie zu akzeptieren und dem lädierten Zuschauer so etwas wie Trost zu spenden.
Dies schafft Pixars erstes wirkliches Meisterwerk zum einen durch die geballte Lebensfreude, die von seinen unverschämt lebendig animierten Robotern ausgeht (wodurch selbst die klassischen und obligatorischen Disney/Pixars-Gags zum allerersten Mal durchgehend auch bei mir zünden) und in einigen wirklich herzzerreißend schönen Momenten als pure Poesie auf den Zuschauer einströmt, zum anderen durch das aufgezeigte Gegenmodell zu unserer heutigen Gesellschaft, welches durch seine Erstarrtheit und selbstverschuldete Sinnlosigkeit in vielerlei Hinsicht inakzeptabel ist und bei genauerer Betrachtung den Nihilismus in beispielsweise Nolans Gotham City noch weit übertrifft. Leben ist eben doch wichtiger als Überleben, diese Botschaft wird auf sehr originelle und doch vollkommen einfache, klar verständliche Art und Weise untermauert. Wall-E gemahnt uns, nicht zu vergessen, dass man, solange man sich den Luxus leisten kann, sich keine unmittelbar existentiellen Sorgen machen zu müssen, diese Zeit sinnvoll nutzen sollte - im Großen wie im Kleinen - und das nicht obwohl, sondern weil die unsrige Welt nicht selten eine schlechte ist.
Diese Lektion mag für viele ein alter Hut sein, aber noch nie wurde sie mir im Kino so zauberhaft, komisch und anrührend serviert wie von Wall-E, dem kleinen Roboter mit der großen Gabe, der auf allen Bedeutungsebenen verdreckten Erde ein stückweit Absolution zu erteilen.

D.C.L.