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Paradise Now (2004)

Eine Diskussion über Paradise Now (2004) im Forum Multimedia Forum. Teil des Off Topic-Bereichs; Paradise Now Niederlande/Deutschland/Frankreich, 2004 Regie: Hany Abu-Assad (Rana´s Wedding) Darsteller: Kais Nashef (Saïd), Ali Suliman (Khaled), Lubna Azabal (Suha), Amer ...

  1. #1
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    Paradise Now (2004)

    Paradise Now

    Niederlande/Deutschland/Frankreich, 2004

    Regie: Hany Abu-Assad (Rana´s Wedding)

    Darsteller: Kais Nashef (Saïd), Ali Suliman (Khaled), Lubna Azabal (Suha), Amer Hlehel (Jamal), Hiam Abbass (Saïds Mutter), Ashraf Barhoum (Abu-Karem)

    Gewinner des Friedenspreises von Amnesty International bei der diesjährigen Berlinale


    Paradise Now erzählt von zwei jungen Männern aus dem Westjordanland.
    Auf den ersten Blick sind sie nicht anders als andere in dieser Gegend: Sie sitzen da, hören Musik, rauchen Wasserpfeife und leben in den Tag hinein, auf der Suche nach Arbeit und einer Perspektive.
    Khaled hat gerade erst wieder seinen Job in einer Autowerkstatt verloren, Said hat gerade Suha kennengelernt, die lange in Europa gearbeitet hat und gerade zurückkehrte.
    Nichts ist zu spüren von dem Chaos, das Tag für Tag herrscht in dem von den Israelis besetzten Gebiet.
    Als Said nach hause geht, wartet vor der Tür schon Jamal auf ihn, der ihm froh verkündet, dass er und Khaled ausgewählt worden seien, Hauptakteure beim nächsten Selbstmordattentat zu werden, wie sie es sich schon so lange wünschen und das schon in zwei Tagen.
    Da überkommen ihn die ersten Zweifel. Nachts noch geht er zu Suha und redet mit ihr über den Konflikt, Suha versucht, ihn davon zu überzeugen, dass man den Konflikt mit friedlichen Mitteln lösen könne.
    Als die Aktion startet und die Beiden die Grenze nach Israel überqueren wollen, um den Anschlag in Tel Aviv durchzuführen, geht dies schief, da sie von Wachen entdeckt werden undsie müssen umkehren. Khaled geht zurück zu Jamal, Said irrt weiter im Grenzgebiet herum.
    Auf der Suche nach Said wird Khaled mehr und mehr klar, dass er nicht das richtige tut und möchte Said um jeden Preis abhalten zu tun, was er tun will.
    Als die beiden sich schließlich wieder bei Jamal wiederfinden, werden sie von diesem getrennt voneinander überzeugt, die Aktion von vorn zu starten. Khaled möchte vorher noch mit Said reden, bekommt aber keine Gelegenheit dazu.
    Als die Beiden schließlich kurz vor ihrer Tat stehen, gelingt es Khaled doch, Said zum Umkehren zu überreden, als sie jedoch in den Wagen steigen, schlägt Said die Tür von außen zu, nachdem Khaled eingestiegen ist, und fordert den Fahrer auf, ohne ihn zu fahren.


    Ein sehr beeidruckender Film, der auf sehr vorsichtige Art und Weise einmal einen anderen Blickwinkel auf den Krisenherd Naher Osten zeigt.
    Der Zuschauer wird hineingezogen in die scheinbar aussichtslose Situation der besetzten Palästinenser und erfährt, wie sehr in der westlichen Welt der Spieß umgedreht wird, um die Israelis als sich wehrende Opfer darzustellen.
    Die hervorragend spielenden Hauptdarsteller legen dar, aus welchen Beweggründen sie sich entschließen, den Weg des Märtyrers zu gehen und warum gerade dieser Weg für sie so richtig scheint.
    Allerdings wird durch Suha auch der Gegenpol mit eingebracht: Eine Leidensgenossin, die allerdings zeitweise die Geschehnisse mit der nötigen Distanz beobachten konnte und dadurch auch andere Möglichkeiten zur Konfliktlösung sieht. Sie versucht zu erklären, dass dies genau der falsche Weg sei, dass man mit Rache nichts erreichen könne. Hinzu kommt, dass ihr Vater selbst Märtyrer war und sie dadurch genau weiß, dass die Ehre, die der Familie und dem Vater dadurch zuteil wurde, nichts nützt und keinen weiterbringt.

    Formal bildet der Film einen krassen Gegensatz zu den von den Protagonisten getroffenen Aussagen.
    Diese stellen Nablos, die Stadt, in der der Film spielt, als Hölle da, als Ort, an dem die Besatzung nicht mehr auszuhalten sei.
    Dargestellt werden aber schöne kleine Gassen, spielende Kinder, wundervolle Landschaften und ein entspanntes Volk, keine Spur von Chaos oder Militarismus.
    Wahrscheinlich ist dies als Versuch zu verstehen, die Welt im Nahen Osten so zu zeigen, wie sie sin könnte, wenn man die Blockaden in den Köpfen dieser Menschen verschwinden lassen könnte - und zwar auf beiden Seiten, was wohl die wichtigste Aussage des Films ist.

    Fazit: Diesem Film fehlt nichts. Hervorragende Darsteller, technisch astrein eingefangen und dazu eine Geschichte, die wachrüttelt und aufklärt, ohne dabei auch nur eine Minute langweilig zu werden oder dick aufzutragen.









    Trailer: http://www.shareware.de/Windows/Mult...ler_21227.html
    Geändert von scorsese (24.05.2006 um 02:24 Uhr)

  2. #2
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    Super Review. Wollte den Film auch längst schon sehen, hat sich aber nie ergeben. nach dem Lesen der Review hab ich jetzt fest beschlossen, den anzugucken.
    Oh, the devil will find work for idle hands to do...

  3. #3
    Gutmensch
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    So, ich hab den Film jetzt gesehen. Ich muss sagen, ich bin schon beeindruckt. Kann scorsese nur zustimmen. Super Hauptdarsteller, sehr gute Geschichte.
    Was die Geschichte betrifft fand ich vor allem folgenden Aspekt sehr interessant und gut gemacht:
    Khaled ist derjenige von den beiden Hauptfiguren, der das Selbstmrodattentat aus Überzeugung begehen will, d.h. weil er glaubt, dass er seinem Volk damit hilft. Said hingegen scheint allem gegenüber gleichgültig und von einem inneren Groll geleitet. Letztlich ist es der "Überzeugungstäter", der sich davon überzeugen lässt, dass Gewalt keine Lösung herbeiführt und dass es andere Mittel und Wege gibt. Said ist die politische Situation völlig egal, er will Rache und das aus persönlichen Gründen, weil er die Israelis dafür verantwortlich macht, dass sein Vater ein Kollaborateur war und weil er glaubt, diese Schande von seiner Familie tilgen zu müssen.
    Die Ursache für die Selbstmordattentate ist nicht die Überzeugung, für das eigene Volk kämpfen zu müssen, sondern Perspektivenlosigkeit und persönlicher Hass. Khaled ist ein lebensfroher Mensch und hat eine Perspektive, sogar als er in den Tod gehen will, tut er dies mit der Perspektive, dass sich dadurch etwas zum Besseren ändern wird. Said hingegen ist im Leben ohne Perspektive und hat keinen Lebensinhalt, das Leben ist für ihn nur ein Zusteuern auf den Tod, der Tod ist sein Lebensinhalt. Alles andere ist ihm gleichgültig.
    Ein sehr guter Film. Kann ich nur weiterempfehlen.


    P.S.: Sorry wegen Doppelpost, aber ich wollte den Thread nochmal etwas nach oben schieben.
    Oh, the devil will find work for idle hands to do...

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