servus,

nach längerer zeit der abwesenheit bin ich hier mal wieder aktiv
mitlerweile bin ich nicht mehr in ausbldung sondern studiere und zwar soziale arbeit.
nun steht bald meine zweite prüfung an und zwar soziologie (am 27.03.), in der es u.a. um themen wie sprache und schichtenspezifische sozialisation sowie auch um diverse entwicklungsmodelle (freud - psychosexuelle entwiklung, piaget - kognitive entwicklung und kohlberg - moralische entwicklung) geht.

freud ist jetzt nicht so das problem - das fand ich recht einfach - allerdings tue ich mir momentan mit kohlberg etwas schwer. das reine stufenmodell an sich ist nachvollziehbar, allerdings muss ich die entwicklungsaufgaben bzw. krisen, die mit dem erreichen von einer stufe zur nächsten verbunden sind herausarbeiten. zu diesem zweck hab ich mir die modelle von piaget (kognitive entwicklung) und darauf basierend selman (modell der sozialen perspektivübernahme) herangezogen, da in kohlbergs schriften darauf verwiesen wird, dass bei der entwicklung der moral kognition und perspektivübernahme eine rolle spielen.
bin aktuell noch am ausarbeiten der einzelnen zusammenhänge der theorien, um dann im anschluss die krisen herauszuarbeiten. es klingt für mich selbst logisch allerdings bin ich mir nicht 100% sicher, ob meine geistigen ergüsse korrekt sind, weshalb ich meine geistigen ergüsse gerne mal hier rein stellen möchte, damit darüber diskutiert werden können. der konkrete übergang in die kohlbergschen stufen wird denke ich noch deutlicher, wenn ich die krisen formuliert habe. hauptsächlich geht es mir hier erst einmal um die überleitung von piaget zu selman.

Zitat Zitat von Stufe 0 bei Kohlberg unter Berücksichtigung von Piaget und Selman
Stufe0 – Orientierung an Lust und Unlust


Richtigund Gut ist was Spaß macht, falsch ist was keinen Spaß macht.


KognitiveGrundlage dieser Stufe: bis einschließlich prä-operationale Stufe(vgl. Piaget)
Dadas Kind bis zum Abschluss der prä-operationalen Phase nicht in derLage ist sich von einer konkreten Anschauung zu lösen und erstschrittweise beginnt sich die Welt anhand von Denkfiguren zu erklärenund noch psychische und physische Ereignisse verwechselt ist es ihmnicht möglich abstrakte Dinge wie die Perspektive (innere Vorgänge)anderer Menschen in sein Denken einzubeziehen. Das kindliche Denkenist von Egozentrismus geprägt, d.h. es betrachtet jeglicheGeschehnisse vom eigenen Standpunkt aus.


Dieprä-operationale Phase als Grundlage der egozentrischen Perspektivenach Selman
Dadas Kind sich nicht von seinem Standpunkt und der unmittelbarenAnschauung lösen kann ist es ihm nicht möglich psychischeKomponenten in seinem Denken zu berücksichtigen. Daraus resultiert,dass noch kein kausaler bzw. reflektierter Zusammenhang zwischenHandlungen und den Handlungsgründen hergestellt und somit auch nichtzwischen absichtlichem und unabsichtlichem Handeln unterschiedenwird.
Dadas Kind nicht in der Lage ist zwischen Absicht und Versehen zuunterscheiden ist es der Ansicht, dass ein Kind welches aus versehen2 Tassen zerbricht härter bestraft werde als ein Kind dasabsichtlich eine zerbricht. Aus der mangelnden Trennung zwischenphysischen und psychischen Vorgängen ist es dem Kind des Weiterennicht möglich die soziale Perspektive anderer (Gedanken, Gefühle)wahrzunehmen, sondern lediglich dessen offen gezeigt Gefühle zubenennen, sodass es nicht berücksichtigen kann, dass andere Personendie gleiche Situation anders interpretieren können.
Zitat Zitat von Stufe 1 bei Kohlberg unter Berücksichtigung von Piaget und Selman
Stufe1 - Orientierung an Strafe und Gehorsam


DasKind erkennt auf dieser Stufe, dass es außer seiner Perspektive nochandere Perspektiven gibt, in die es sich bedingt hineinversetzenkann. Das Kind ist dabei stark an der Sichtweise der Erwachsenenorientiert, da diese Regeln aufstellen und somit bestimmen wasrichtig und was falsch ist.


DasKind vermeidet Personen oder Dingen einen Schaden zuzufügen und istgehorsam.
Diesgeschieht allerdings aus einem egozentrischen Standpunkt heraus,sodass das Kind eine Strafe vermeiden und für richtiges Verhalteneine Belohnung haben möchte.
DasKind beurteilt Handlungen nicht nach der dahintersteckenden Absicht,sondern nach dem äußeren Erscheinungsbild und berücksichtigt nichtdie Interessen anderer.


KognitiveGrundlage dieser Stufe:konkret-operationaleStufe (vgl. Piaget)
Dadas Kind in dieser Phase in der Lage ist sich von seinerunmittelbaren Anschauung zu lösen und in der Lage ist Operationenbedingt geistig durchzuführen, ist es ihm möglich einfache kausaleZusammenhänge (Wenn-Dann-Beziehungen) herzustellen.



Diekonkret-operationale Phase als Grundlage dersozial-informationsbezogene
Perspektivenübernahmenach Selman
Dadas Kind sich nun von der unmittelbaren Anschauung lösen kann und inder Lage ist (bedingt) geistig zu operieren und kausale Zusammenhängezu erkennen ist es möglich sein „Blickfeld“ zu erweitern undstellt fest, dass auch andere Perspektiven als die eigene existieren.
Dasich die Fähigkeit zum logischen Denken allerdings noch imAnfangsstadium befindet, sind die kausalen Zusammenhänge allerdingsnoch eindimensional, sodass das Kind verschiedene Perspektiven nochnicht miteinander in Beziehung setzt, sondern aus der Perspektiveeines Beteiligten sieht.
Zitat Zitat von Stufe 2 bei Kohlberg unter Berücksichtigung von Piaget und Selman
Stufe2 – Zweck- und Austauschorientierung
Indieser Phase sind Erwachsene nicht die einzige Quelle der Moral, dadas Kind erkannt hat das Moral etwas ist das auf Gegenseitigkeitberuht. Die Handlungen des Kindes entsprechen dem seiner Umwelt, d.h. aus gleichwertigem Handeln („wie Du mir so ich Dir / Auge um Auge,Zahn um Zahn „). Der Grund das Richtige zu tun sind noch immer dieeigenen Bedürfnisse – manchmal auch Bedürfnisse anderer. Das Kindist in der Lage zwischen eigenen und fremden Interessen zuunterscheiden und bemerkt, dass diese im Widerspruch stehen können.


KognitiveGrundlage dieser Stufe:konkret-operationaleStufe (vgl. Piaget)
Mitdem Fortschreiten der konkret-operationalen Phase wird das Denkenzunehmend komplexer, sodass das Kind in der Lage ist reversibel zudenken, d.h. es ist in der Lage Operationen geistig durchzuführenund auch wieder umzukehren (Reversibilität durch Inversion) undwechselseitige Veränderungen (Reversibilität durch Reziprozität)nachvollziehen zu können.


Diekonkret-operationale Phase als Grundlage der selbstreflexivePerspektivenübernahme nachSelman
Durchdie Fähigkeiten im Bereich der Reversibilität ist das Kind nun inder Lage auch andere Perspektiven als die eigene auf sich zubeziehen, da das Prinzip wechselseitiger Veränderung (Reziprozität/ A=B, B=A) internalisiert wurde. Durch diese Perspektivübernahmeund die Fähigkeit Operationen geistig umzukehren (Inversion) ist esin der Lage nachzuvollziehen wie sein Handeln beurteilt wird, da dasKind durchspielen kann wie die Reaktion seines Gegenübers ausgesehenhätte, wenn es sein Tun unterlassen hätte. Da das Kind allerdingsin diese Phase noch nicht in der Lage ist Operationen zu kombinierenund hypothetisch zu denken ist es noch nicht fähig die eigenePerspektive und die des anderen gleichzeitig zu betrachten und zuevaluieren welche Beziehung zueinander sich ergibt, sondern nur, dasszwischen verschiedenen Perspektiven Konflikte liegen können undGerechtigkeit somit relativ ist.